Die Vielfalt von Streuobstwiesen

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Die Vielfalt von Streuobstwiesen

Fotos: Stiftung Scheuern

Auf dem Hofgut Mauch steht nachhaltiges Handeln im Vordergrund

Obstbäume wurden früher sorgfältig gepflegt, denn die hier wachsenden Äpfel, Birnen oder Pflaumen dienten direkt der Versorgung der Menschen vor Ort. Das am Rande der kleinen Gemeinde Misselberg gelegene Hofgut Mauch knüpft mit seiner Arbeit an diese Art der Bewirtschaftung an. Auf dem der Stiftung Scheuern, einer Einrichtung der Eingliederungshilfe mit Sitz in Nassau/Lahn, angegliederten Hofgut, wird das Obst naturnah erzeugt. Die Fläche der dortigen Streuobstwiesen wurde im vergangenen Jahr noch einmal um 1,5 Hektar erweitert und 83 neue Obstbäume gepflanzt. Elf unterschiedliche Obstsorten, darunter auch alte Apfelsorten wie Goldparmäne, Roter Boskoop oder Ontario Apfel, sollen den künftigen Ertrag vor dem Hintergrund des Klimawandels sichern.

Realisiert wurde das Pflanzprojekt mit finanzieller Unterstützung des Naturparks Nassau. Dieser fördert gezielt die Pflanzung von Obstbäumen und Hecken, um die Biodiversität in der Region zu stärken. Mit dieser ökologisch sinnvollen Maßnahme helfe die Stiftung Scheuern, „die Aufgaben des Naturparks zu erfüllen“ heißt es zu dem Projekt. Streuobstwiesen sind wertvolle Rückzugsorte für zahlreiche Tiere und Insekten, denen sie einen vielfältigen Lebensraum bieten. Laut dem NABU können hier, besonders bei altem Baumbestand, bis zu 5.000 unterschiedliche Tier- und Insektenarten leben. Darunter sind auch sehr seltene Arten wie der Steinkauz oder die Bechsteinfledermaus.

Die Pflege von Streuobstwiesen erfordert Fachwissen und sie ist arbeitsintensiv. Bei der Stiftung Scheuern übernehmen das, unter Anleitung, Menschen mit Einschränkungen, die damit behutsam an das Arbeitsleben herangeführt werden. Die Pflege der Streuobstkulturen ermöglicht ihnen ein abwechslungsreiches Arbeiten in der Natur. Eine Besonderheit sei dabei die Lage der Streuobstwiesen, beschreibt es Markus Reichwald, der Teamleiter des Werkstattbereichs Garten- und Landschaftspflege. Das sich malerisch in die Landschaft über den Lahnhängen einpflegende Hofgut Mauch biete ein „tolles therapeutisches Moment der Entschleunigung“ und das Streuobstwiesen-Projekt lehre alle Beteiligten Geduld. Mit dem Konzept „Naturtrüber Apfelsaft von regionalen Streuobstwiesen“ könne zudem ein „sichtbares und geschmackvolles Ergebnis der Arbeit der Beschäftigten“ erzielt werden. Dass die Pflege der Streuobstwiesen mit einer Schafherde eines regional ansässigen Schäfers durch Beweidung und einmalige Heu-Mahd organisiert wird, unterstreicht für Markus Reichwald noch den zugrunde liegenden Gedanken der mehrdimensionalen Nutzung und Nachhaltigkeit.

Das Obst der neu gepflanzten Streuobstwiese auf dem Hofgut Mauch wird in etwa fünf bis sechs Jahren lokal vermarktet, wie auch die anderen Produkte, die auf den Flächen und den bereits bestehenden Streuobstwiesen der Stiftung Scheuern erzeugt werden. Verkauft werden sie in den Weltläden Bad Ems, Nassau und Nastätten sowie in den von der Stiftung belieferten Supermärkten, dem CAP-Markt Hillscheid und dem REWE-Markt in Nassau. Das Streuobstwiesenprojekt ist eng verknüpft mit der Arbeitsphilosophie der Stiftung: Für den Teamleiter Markus Reichwald versinnbildlicht das Wachsen der Bäume den langen Atem, der für die berufliche Teilhabe und Qualifizierung notwendig sei. Damit einher gehe die Hoffnung der Entstehung des Neuen „die uns antreibt und am Ende die Früchte der Arbeit genießen lässt“. Das in Kooperation mit dem Naturpark Nassau erweiterte Streuobstwiesen-Projekt bringt so auf beeindruckende Weise den Artenschutz und die Förderung regionaler nachhaltiger Produkte mit sozialen Aspekten der Teilhabe in Einklang. Bettina Derksen