Rettungsplan für Feldhamster & Co. – Wie Deutschland seine Natur schützen will

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Rettungsplan für Feldhamster & Co. – Wie Deutschland seine Natur schützen will

Foto: Joachim Neumann – stock.adobe.com

Bund legt ersten Aktionsplan zur Nationalen Strategie Biologische Vielfalt 2030 vor

Feldhamster, Moorfrosch und Wiesensalbei – sie alle stehen auf der Kippe. Mit einem historischen Schritt wird die Bundesregierung das Artensterben stoppen und die natürlichen Lebensgrundlagen sichern. Am 18. Dezember 2024 hat das Bundeskabinett erstmals einen konkreten Fahrplan zur Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt verabschiedet. Der 64-seitige Aktionsplan bündelt 21 Handlungsfelder mit rund 250 Maßnahmen – von Artenschutzprogrammen bis zur Renaturierung – und legt verbindliche Meilensteine bis 2027 fest.

Verbindliche Ziele statt bloßer Absichtserklärungen

Im Zentrum des Aktionsplans steht ein Paradigmenwechsel: Der Schutz der Biodiversität soll nicht länger von guten Vorsätzen, sondern von messbaren Zielen und klaren Zuständigkeiten getragen werden. Alle Maßnahmen werden jährlich überprüft. So sollen etwa bis 2025 drei Viertel der in Deutschland gefährdeten Gefäßpflanzen durch Samenbanken oder Erhaltungskulturen gesichert sein – ein Viertel davon bereits in Wiederansiedlungsprojekte integriert. Auch für bedrohte Tierarten wie Feldhamster oder Luchs sind bis 2026 umfassende Artenhilfsprogramme geplant, die konkrete Schutzmaßnahmen mit Monitoring und wissenschaftlicher Begleitung verbinden. Bis 2027 soll dieses Programm für mindestens 25Prozent der prioritärenArten vollständigumgesetzt werden.

Stadtgrün, Wildnis und Windkraft – neue Schwerpunkte

Ein Schwerpunkt liegt auf dem Erhalt und der Wiederherstellung ökologisch wertvoller Lebensräume – auch in Städten. So sollen gesetzliche Grundlagen dafür geschaffen werden, Stadtgrün besser in die Bauplanung zu integrieren und versiegelte Flächen gezielt zu entsiegeln. Renaturierungsmaßnahmen etwa an Mooren und Auen werden verstärkt über den Bundesnaturschutzfonds und das Programm „Natürlicher Klimaschutz“ gefördert. Auch bei der Energiewende spielt der Naturschutz künftig eine größere Rolle: Beim Ausbau der Windkraft an Land und auf See sollen bis 2027 Artenschutzkonzepte entwickelt werden, um Konflikte mit besonders gefährdeten Tierarten wie Zugvögeln oder Fledermäusen zu vermeiden.

Der Moorfrosch, im Frühjahr oft leuchtend blau gefärbt, bekannte von Maßnahmen zur Renaturierung von Feuchtgebieten.Foto: brudertack69 – stock.adobe.com

Fortschritt mit Feedback – das „Ratcheting-Up“-Prinzip

Neu ist auch der dynamische Aufbau des Plans. Unter dem sogenannten „Ratcheting-Up“-Prinzip werden alle Maßnahmen jährlich überprüft. Zeigen sich dabei Defizite, wird gezielt nachgesteuert – nicht erst am Ende der Laufzeit. Eine umfassende Zwischenbilanz im Jahr 2027 soll zeigen, welche Maßnahmen wirken und welche verstärkt oder neu ausgerichtet werden müssen. Daraufhin folgte ein zweiter Aktionsplan, der die Strategie bis 2030 weiterführt.

Breite Beteiligung und globale Verantwortung

Der Aktionsplan ist das Ergebnis eines breit angelegten Beteiligungsprozesses. Im Sommer 2023 wurden über 1.000 Rückmeldungen aus Wissenschaft, Verbänden, Bundesländern und Zivilgesellschaft in einer Online-Konsultation gesammelt. Ergänzt durch Workshops und Expertenhearings flossen sie in die konkrete Maßnahmenplanung ein. Der Plan versteht sich auch als nationale Umsetzung internationaler Verpflichtungen – etwa aus dem Kunming-Montreal-Rahmen der Vereinten Nationen oder der EU-Biodiversitätsstrategie bis 2030.

Warum das wichtig ist

Rund ein Drittel der in Deutschland vorkommenden Arten gelten als gefährdet. Lebensräume wie Moore, artenreiche Wiesen oder naturnahe sind viele Orte verschwunden oder stark beeinträchtigte Gewässer. Der neue Aktionsplan greift dieses Problem systematisch auf – über reine Naturschutzprojekte hinaus. Auch Landwirtschaft, Städtebau, Verkehr und Energiepolitik sind eingebunden. Biodiversität soll als Querschnittsaufgabe verstanden und in allen Politikfeldern mitgedacht werden.

Ein echter Neuanfang?

Mit dem ersten Aktionsplan zur Nationalen Strategie Biologische Vielfalt 2030 nimmt Deutschland den Arten- und Naturschutz in bisher nicht gekannter Nachfrage in den Blick. Klar definierte Ziele, feste Fristen und eine kontinuierliche Erfolgskontrolle machen das Vorhaben zu mehr als einem Symbol. Der Plan ist ambitioniert – und notwendig. Denn der Verlust biologischer Vielfalt gefährdet nicht nur Pflanzen und Tiere, sondern auch die Ernährungssicherheit, den Wasserhaushalt und das Klima. Ob die neue Strategie trägt, wird sich spätestens 2027 zeigen. Sicher ist: Es ist Zeit zu handeln – fundiert, gemeinsam und mit langem Atem.