Zehn Jahre Nationalpark Hunsrück-Hochwald

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Zehn Jahre Nationalpark Hunsrück-Hochwald

Eine Erfolgsgeschichte der Nachhaltigkeit

„Natur Natur sein lassen“ – mit diesem Leitsatz wurde 2015 der Nationalpark Hunsrück-Hochwald gegründet. Zehn Jahre später zieht das länderübergreifende Schutzgebiet zwischen Rheinland-Pfalz und Saarland eine eindrucksvolle Bilanz: Mehr Wildnis, mehr Artenvielfalt, mehr Bewusstsein – und ein Netzwerk von Menschen und Betrieben, die gemeinsam zeigen, wie nachhaltiger Naturschutz funktioniert.

Vom Experiment zur Erfolgsgeschichte

Als der Nationalpark 2015 startete, war er ein politisches und gesellschaftliches Experiment. Konnte ein Entwicklungsnationalpark im dicht besiedelten Mitteleuropa funktionieren? Heute ist klar: Er kann – und wie. Inzwischen sind 58 Prozent der Fläche (10.120 Hektar, davon 90 Prozent in Rheinland-Pfalz, 10 Prozent im Saarland) als Wildnis ausgewiesen – 2015 waren es erst 25 Prozent. Bis 2045 sollen es 75 Prozent sein.

Lebensräume für seltene Arten

98 Prozent der Fläche sind bewaldet. Alte Buchenwälder, Moore, Blockhalden und Felsen bilden ein Mosaik aus Lebensräumen, das deutschlandweit einzigartig ist. Seltene Arten wie Wildkatze, Schwarzstorch, Bechsteinfledermaus oder die Hunsrück-Warzenflechte haben hier ein Refugium gefunden. Zwei wissenschaftliche Entdeckungen – eine neue Flechtenart (2015) und eine neue Rotalgen-Gattung (2024) – zeigen den Wert des Parks als „Freilandlabor“ für Forschung und Biodiversitätsschutz.

Nachhaltigkeit auf allen Ebenen

Der Nationalpark ist mehr als ein Schutzgebiet: Er ist ein Motor für nachhaltige Regionalentwicklung. Rund 50 zertifizierte Partnerbetriebe aus Hotellerie, Gastronomie und Handwerk setzen Standards in Ökologie, Regionalität und Umweltbildung. Wer Nationalpark-Partner werden will, muss strenge Kriterien erfüllen: Verzicht auf Einwegverpackungen, Ökostrom, Hinweise auf ÖPNV-Anbindung und Umweltzertifikate sind Pflicht. Das Partnernetzwerk ist gelebte Nachhaltigkeit – verankert in der Region.

Ein Nationalpark für alle

Mit drei Besucherzentren (Erbeskopf, Wildenburg, Keltenpark), über 250 Erlebnis- und Ranger-Touren jährlich sowie attraktiven Rad- und Wanderrouten ist der Nationalpark auch touristisch ein Erfolgsmodell. Die Infrastruktur wächst, barrierearme Angebote machen den Park für viele zugänglich.

Wissenschaft und Bildung im Fokus

Rund 60 Mitarbeitende, darunter 26 Rangerinnen und Ranger, betreuen das Schutzgebiet, forschen, bilden aus und vermitteln. Schulen und Kitas in Rheinland-Pfalz und dem Saarland sind als „Nationalpark-Schulen“ zertifiziert. Es gibt Junior Ranger-Gruppen, Lernmaterialien und Fortbildungen. Bürgerforum, Beirat und Kommunale Nationalparkversammlung binden die Menschen vor Ort ein – Partizipation ist hier keine Pflichtübung, sondern Prinzip.

Große Zustimmung in der Bevölkerung

Laut einer Besucherbefragung sind nahezu 100 Prozent der Gäste mit ihrem Besuch zufrieden, 78 Prozent wünschen sich noch mehr Wildnis. Die Mehrheit kommt aus der Region, internationale Gäste vor allem aus den Niederlanden. Kritische Stimmen? Gibt es, etwa beim Gastronomieangebot. Doch die Grundstimmung ist klar: Der Park ist angekommen – in der Fläche und in den Köpfen.

Ausblick: Mehr Wildnis, mehr Wirkung, mehr Nachhaltigkeit

Nach zehn Jahren steht der Nationalpark besser da als viele anfänglich erwartet hatten. Der Prozessschutz – Natur sich selbst überlassen – trägt Früchte. Die nächsten Jahre werden zeigen, wie sich das Schutzgebiet weiterentwickelt, gerade auch angesichts des Klimawandels. Klar ist schon jetzt: Der Nationalpark Hunsrück-Hochwald ist kein abgeschlossenes Projekt, sondern ein lernendes System – offen für Forschung, Kooperation und Verbesserung. Das bereits Entstandene und auch die auf die Zukunft ausgerichteten Zukunftsprojekte sind ein beeindruckendes Beispiel, wie Nachhaltigkeit in der freien Natur umgesetzt werden kann. Arno Boes