Batteriespeicher als Schlüssel für die Energiewende

September 15, 2026 5 min lesen.

Batteriespeicher als Schlüssel für die Energiewende

Worms
Rechenzentren, Elektromobilität und Wärmepumpen sowie die Elektrifizierung industrieller Prozesse lassen den Bedarf an Strom aus erneuerbaren Energien rasant anwachsen. Um den Strom optimal nutzen zu können, kommen Batteriespeicher ins Spiel. Der größte in Rheinland-Pfalz ging jetzt in Betrieb.

Der Batteriespeicherpark nahe des Umspannwerks Holzhof in Worms wurde im Juni 2026 offiziell eröffnet. Die Anlage mit einer Speicherkapazität von 65 Megawattstunden (MWh) reicht aus, um die Batterien von 1200 Elektroautos zu laden oder 2000 Haushalte zwölf Stunden mit Strom zu versorgen. Betreiber ist der regionale Energieversorger EWR AG in Worms. Vorstandssprecher Stephan Wilhelm macht deutlich, warum der Speicher ein Meilenstein für die Region ist: „Großbatteriespeicher sind der Schlüssel, um erneuerbare Energien zuverlässig in das Stromsystem zu integrieren. Sie verbinden Versorgungssicherheit, Netzstabilität und Klimaschutz auf innovative Weise.“ Rheinland-Pfalz zählt inzwischen zu den dynamischsten Bundesländern beim Ausbau von Batteriespeichern. Im Frühjahr 2025 waren laut Energieatlas Rheinland-Pfalz rund 107.000 Batteriespeicher mit einer installierten Leistung von 718 Megawatt (MW) und einer gesamten Speicherkapazität von rund einer Gigawattstunde (GWh) in Betrieb. Im Frühjahr 2026 war ihre Zahl bereits auf 148.000 gestiegen – mit einer Gesamtleistung von mehr als 1000 MW. Rechnerisch lässt sich damit der tägliche Strombedarf von etwa 140.000 Haushalten decken, sofern die Speicher regelmäßig gefüllt werden. Weitere Großspeicher mit einer geplanten Leistung von knapp 500 MW befinden sich in der Planungs- oder Projektentwicklungsphase.

"Großbatteriespeicher sind der Schlüssel, um erneuerbare Energien zuverlässig in das Stromsystem zu integrieren. Sie verbinden Versorgungssicherheit, Netzstabilität und Klimaschutz auf innovative Weise."
Stephan Wilhelm, Vorstandssprecher von EWR in Worms

So auch in Worms. Am Kirschgartenweg entsteht derzeit ein weiterer Speicher mit 22 MWh Speicherkapazität und zehn MW Leistung, der noch in diesem Jahr in Betrieb gehen soll. Projektpartner sind – wie bereits beim Speicher Holzhof – EWR, W-Power Storage und Timbra, die auch die gesamten Investitionskosten tragen. Nach Angaben von Timbra-Projektleiter Marc Bodeit befindet sich außerdem ein Speicher mit rund 20 MW Leistung im Genehmigungsverfahren; bis Ende 2027 sollen vier weitere Großbatteriespeicher in Rheinhessen realisiert werden.

Die dynamische Entwicklung zeigt, dass Batteriespeicher längst keine bloße Ergänzung zur Energiewende sind. Noch vor wenigen Jahren galten sie als kostenintensive Zukunftstechnologie. Sinkende Batteriepreise, steigende Stromkosten und verbesserte Energiemanagementsysteme haben seither ihre Wirtschaftlichkeit deutlich verbessert; sie sind zentrales Element einer zuverlässigen, wirtschaftlichen und klimafreundlichen Energieversorgung.

Strom wird durch die Energiewende anders als bisher erzeugt, verteilt und genutzt. Immer mehr Strom stammt aus erneuerbaren Quellen wie Windkraft und Photovoltaik. Der Haken dabei: Sonne und Wind liefern Energie, wenn die natürlichen Bedingungen passen, und nicht unbedingt dann, wenn sie gebraucht wird. Batteriespeicher puffern derartige Diskrepanzen, indem sie überschüssige Energie speichern und dann abgeben, wenn Bedarf besteht. Der Rückgriff auf Speicher verbessert die Netzstabilität, entlastet so Stromnetze und trägt zur Versorgungssicherheit bei.

Gerade für besonders energieintensive Betriebe und Unternehmen sind Batteriespeicher mit ihren Wirkungsgraden von bis zu 90 Prozent aus wirtschaftlichen Gründen interessant. Mit ihnen können sie Lastspitzen kappen, Stromkosten senken und ihren Eigenverbrauch oder die Versorgung ihrer Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge optimieren. Die Verknüpfung von Photovoltaik, Batteriespeicher und intelligentem Energiemanagement wird immer mehr zum Standard moderner Gewerbe- und Industriestandorte. Denn zahlreiche Unternehmen produzieren bereits eigenen Solarstrom. Sind Speichermöglichkeiten vorhanden, kann der Strom dann genutzt werden, wenn er benötigt wird.

„Ohne Speicheroptionen muss überschüssiger Strom abgeregelt werden und verpufft quasi“, erklärt Projektleiter Marc Bodeit. „Kann etwa bei Dunkelheit kein Solarstrom produziert werden, müssen konventionelle Kraftwerke einspringen. Das generiert Kosten, während sich mit einem Speicher der Verbrauch an teurem Strom aus dem Netz deutlich reduzieren lässt.“ Mehr noch: der Kostenfaktor ‚Leistungspreise‘, die sich an den höchsten, gleichzeitig abgerufenen Leistungen orientieren, kann spürbar gesenkt werden: Statt kurzfristig große Strommengen aus dem Netz zu beziehen, liefert der Speicher die zusätzlich benötigte Energie: „Peak Shaving“ wird diese Lastspitzenkappung genannt.

Nach Möglichkeit sollten Batteriespeicher in intelligente Stromnetze (Smart Grids) eingebunden sein, um maximale Wirkung zu entfalten und Energie möglichst wirtschaftlich zu nutzen. Elemente derartiger Netze sind Photovoltaik- und Windkraftanlagen, Blockheizkraftwerke, Wärmepumpen und Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge und Energiemanagementsysteme. Digitale Steuerungen entscheiden, wann Strom gespeichert, verbraucht oder eingespeist wird. Marc Bodeit bestätigt, dass dies auch beim Speicher in Worms der Fall ist: „Er stellt sogenannte Systemdienstleistungen bereit und reagiert innerhalb von Millisekunden auf Frequenzschwankungen. Damit trägt er wesentlich zur Stabilität des Stromnetzes bei.“

Die Stadt Worms hat sich ehrgeizige Klimaziele gesetzt. Sie strebt an, den Strombedarf aller aktuell rund 36.000 Privathaushalte bis zum Jahr 2030 zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien zu decken. Aktuell stammen bereits knapp 66 Prozent des verbrauchten Haushaltsstroms aus regenerativen Quellen wie Windkraft, Photovoltaik und Biomasse. Batteriespeicher tragen dazu bei, diese volatile Energie effizient in das Stromsystem zu integrieren. Auch die Versorgungssicherheit kritischer Infrastrukturen wie Krankenhäuser, Feuerwehren, Wasserwerke oder Leitstellen wird besser abgesichert, weil nicht nur auf Notstromaggregate gesetzt werden muss.

"Ein Investment in Batteriespeicher lohnt sich – wenn eine Genehmigung und ein Netzanschluss, etwa in der Nähe eines Umspannwerks, vorhanden sind. Dann ist eine Refinanzierung innerhalb von drei bis fünf Jahren möglich."
Leonhard Gandhi, wissenschaftlicher Mitarbeiter Fraunhofer-Institut für solare Energiesysteme in Freiburg

Stephanie Lohr, Bürgermeisterin der Stadt Worms, stellt nicht ohne Stolz fest: „Mit dem größten Batteriespeicher des Landes im Herzen unserer Stadt zeigen wir: Worms wartet nicht auf die Energiewende, wir gestalten sie aktiv. Für unsere Unternehmen bedeutet das Versorgungssicherheit auf höchstem Niveau.“ Die Inbetriebnahme des Batteriespeichers sei in der Bevölkerung sehr positiv aufgenommen worden. Das Projekt zeige, dass sich innovative Energietechnologien, Versorgungssicherheit und kommunaler Klimaschutz erfolgreich miteinander verbinden ließen. „Eine leistungsfähige Energieinfrastruktur wird zunehmend auch zu einem gewichtigen Standortfaktor“, so Lohr.

"Der Markt für Großbatteriespeicher wächst derzeit sehr dynamisch. Energieversorger, Projektentwickler, Unternehmen und Infrastrukturinvestoren investieren zunehmend in entsprechende Anlagen"
Marc Bodeit, Projektleiter, Timbra Group in Worms

Ein weiterer positiver Aspekt ist, dass große Batteriespeicher am Energiemarkt platziert werden können, um gespeicherte Energie flexibel an den Strombörsen zu vermarkten und so zusätzliche Einnahmemöglichkeiten zu generieren. Die Vermarktung der Speicherkapazitäten in Worms erfolgt durch die Projektgesellschaft Batteriespeicherpark Worms GmbH beziehungsweise deren Vermarktungspartner. Die Stadt selbst tritt nicht als Marktteilnehmer auf.

„Der Markt für Großbatteriespeicher wächst derzeit sehr dynamisch“, so Timbra-Projektleiter Bodeit. „Energieversorger, Projektentwickler, Unternehmen und Infrastrukturinvestoren investieren zunehmend in entsprechende Anlagen."

Und Leonhard Gandhi vom Fraunhofer-Institut für solare Energiesysteme in Freiburg ergänzt: „Ein Investment in Batteriespeicher lohnt sich, wenn eine Genehmigung und ein Netzanschluss, etwa in der Nähe eines Umspannwerks, vorhanden sind. Dann ist eine Refinanzierung innerhalb von drei bis fünf Jahren möglich, allerdings mit der Einschränkung, dass mehr Speicher zu einem Rückgang der Erlöse führen könnten.“

"Mit dem größten Batteriespeicher des Landes im Herzen unserer Stadt zeigen wir: Worms wartet nicht auf die Energiewende, wir gestalten sie aktiv. Für unsere Unternehmen bedeutet das Versorgungssicherheit auf höchstem Niveau."
Stephanie Lohr, Bürgermeisterin der Stadt Worms

Batteriespeicher werden also künftig als Elemente intelligenter Energiesysteme zunehmend einen wichtigen Beitrag zu einer klimafreundlichen, sicheren und wirtschaftlichen Energieversorgung leisten. Leonhard Gandhi rechnet damit, dass Batteriespeicher mittel bis langfristig die morgen- und abendlichen Stromspitzen komplett abdecken können.

Von Dr. Ralf Breyer


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