Dezember 15, 2022 5 min lesen.
Für das Gespräch mit der Wirtschaftszeitung der Rhein-Zeitung hat Elmar Schnorpfeil Verstärkung mitgebracht: seinen Bruder Hans-Peter, mit dem er gemeinschaftlich die Geschicke des Familienunternehmens führt, Geschäftsführer Andreas Tiemann sowie die Prokuristen Rainer Hoffmann und Marc Stang. Wir treffen uns in Treis-Karden im Kreis Cochem-Zell. Dort, an der Mosel, befindet sich der heutige Stammsitz des 1948 von Heinz Schnorpfeil gegründeten Unternehmens. Später, beim Mittagessen im Treiser „Bootshaus“, wird auch noch die dritte Generation hinzustoßen …
Auch nach 74 Jahren steckt in dem Unternehmen, das mittlerweile 850 Mitarbeiter hat, noch ganz viel Familie. Das beginnt schon bei seinen auffälligsten Botschaftern, den knallblauen Maschinen und Fahrzeugen, die man auf vielen Baustellen sieht. „RAL 5010, Enzianblau. Das war die Lieblingsfarbe unseres Vaters. Wir sagen nur Schnorpfeil-Blau dazu“, sagt Elmar Schnorpfeil. Vater Heinz gründete die Firma 1948 als Fuhrbetrieb im Hunsrücker Heimatort Mörsdorf. „Er fing mit gar nichts an“, sagt Hans-Peter Schnorpfeil. Den Erfolg hat er sich Schritt um Schritt erarbeitet. Vom Hunsrück brachte der Vater Holz und andere für den Wiederaufbau dringend benötigte Baumaterialien bis nach Stuttgart. In den 50er-Jahren stieg er dann selbst in den Straßenbau ein. Aus diesen Anfängen erwuchs die heutige Firmengruppe, die seit 1949 Baustoffe aus einem eigenen Steinbruch bezieht.
„Wir haben sehr viele langjährige Mitarbeiter, sie stehen bei uns im Mittelpunkt“, betont Elmar Schnorpfeil. Obwohl man in industriellem Maßstab arbeite, sei man durch und durch handwerklich geprägt. „Wir bilden in zwölf Berufen aus.“ Auch ein duales Studium im Bauingenieurwesen wird angeboten. Die Suche nach neuen Köpfen mit neuen Ideen ist für das Unternehmen eines der wichtigsten Themen überhaupt. Geschäftsführer Tiemann erklärt, warum: „Unsere Werkstatt hat kein Dach, wir bauen draußen. Und jedes Projekt ist einzigartig. Da muss man wissen, was man tut.“ Dass man in Treis-Karden weiß, was man tut, hat sich über Jahrzehnte herumgesprochen. Ob Autobahnen, Bundesstraßen, die Kurt-Schumacher-Brücke über die Mosel in Koblenz, Häfen wie etwa der der BASF, Flughafenpisten wie in Frankfurt oder aktuell die des Militärs in Büchel in der Eifel, wo ab 2026 auch die neuen F35- Jets der Bundeswehr stationiert werden sollen – Schnorpfeil baut.
„Auf den Flughäfen, da haben sie Zeitpläne, die sind nach Minuten getaktet“, berichtet Tiemann. Nach drei Tagen musste etwa in Frankfurt eine Bahn wieder betriebsbereit sein. Gibt es ein Projekt, auf das sie besonders stolz sind? „Eigentlich nicht so direkt, wir wollen immer, dass unsere Auftraggeber zufrieden sind“, sagt Elmar Schnorpfeil. Aber im Portfolio der Firma befindet sich schon das eine oder andere markante Bauwerk. Die Kylltalbrücke etwa an der A60 bei Bitburg, Deutschlands größte Stahlbetonbogenbrücke. 223 Meter längste Stützweite bei 93 Meter Höhe und 645 Meter Gesamtlänge – das sind schon ein paar Ansagen. Die sich der Reporter später zusammensuchen wird, die fünf Männer am Tisch sind bei allem stolz auf das, was sie und ihre Mitarbeiter können – ja was eigentlich? Zu bescheiden? Vielleicht. Vielleicht aber hat man es beim Gespräch in Treis-Karden mit jener durch und durch angenehmen Selbstgewissheit zu tun, die heute zunehmend selten wird: Man überzeugt zuallererst durch das, was man tut. Und nicht durch wortreiche Beschreibung.
Überzeugt hätten sie auch gern beim Neubau der Pfaffendorfer Rheinbrücke in Koblenz. Es reichte aber bei der Vergabe nur zur Silbermedaille. Statt aber lange Zeit mit Sich-Ärgern zu verplempern, widmeten sie sich an der Mosel schnell wieder anderen Themen. Vor allem Recycling und sparsamer Umgang mit Ressourcen zählen dazu. Im firmeneigenen Labor („das ist wirklich eine Besonderheit“) werden Baustoffe ständig kontrolliert und verbessert. Und was sie besonders umtreibt, ist das Recycling. Eine Tochterfirma der Gruppe befasst sich mit nichts anderem. Großes Potenzial für Umwelt und Klima sieht man auch im Management der Baustellen. Auch dazu helfen wieder ein paar Zahlen. „Bei fünf Kilometer Autobahn hat man bis zu 40 000 Kubikmeter Aushub. Auf einen Lkw gehen zehn bis zwölf. Da sieht man, wie viele Lkw man braucht, um das zu bewegen“, erläutert Tiemann. Wenn man dann aber aufgrund mitunter fragwürdiger Vorgaben den Aushub auf weit entfernte Deponien bringen müsse, dann werde nicht nur im wahrsten Sinne des Wortes das Geld des Auftraggebers dorthin gefahren: „Es ist doch auch für das Klima einfach besser, so wenig wie möglich zu fahren und so viel wie möglich wiederzuverwerten.“
Ein anderer Baustellenklassiker, der oft für Verdruss und hohe Kosten sorgte, ließ der Schnorpfeil-Mannschaft so lange keine Ruhe, bis man eine Lösung fand, die in keinem Lehrbuch stand: die Randbefestigungen von Straßen. Klassischerweise einzelne Steine oder kleine Betonelemente mit vielen Fugen, die aufwendig verlegt werden müssen und schnell verschleißen. In TreisKarden ging man gedanklich in die Backstube und kam mit einer neuen Idee wieder aus ihr heraus: „Warum Beton nicht verarbeiten wie Spritzgebäck? Vorn der Lkw mit Beton, dahinter eine Maschine mit passendem Aufsatz, und schon können wir jeden Radius und jedes Profil in einem Guss ganz schnell verlegen“, beschreibt Tiemann die Idee. Gesagt, getan. Fehlte nur noch die Maschine. Die bekam man schließlich von Wirtgen im Westerwald. Noch einer dieser für die Region so typischen Mittelständler, dem nichts zu schwer ist. Und seither wird auf den SchnorpfeilBaustellen gebacken, was das Zeug hält. Erstmals vor etwa 15 Jahren in einem Kreisverkehr in Bad Sobernheim, wo der Bürgermeister weitsichtig sagte: „Dann macht mal.“
Von diesem „Dann macht mal“ wünscht man sich in Treis-Karden mitunter mehr. Vor allem personell müsse die Bauverwaltung nachgerüstet werden. „Gebaut ist eigentlich immer schnell, wenn alles glattgeht. Aber das Planen und Freigeben dauert in Deutschland zu lange. Und dann werden irgendwann ganze Autobahnen gesperrt. So was können wir uns nicht leisten“, sagt Elmar Schnorpfeil. Vielleicht würde es helfen, wenn sich mehr Frauen bewerben würden? Wie sieht es denn im eigenen Unternehmen aus? „In den kaufmännischen Berufen verteilt sich das mittlerweile fast 50 zu 50. Aber wir haben mittlerweile auch drei Bauleiterinnen. Das sind die, die draußen alles entscheiden“, sagt Schnorpfeil.
In all den Jahren des Aufstiegs und der Expansion ist das Unternehmen immer heimatverbunden geblieben. Man baut in einem Radius von etwa 250 Kilometern um die Firmenzentrale herum. Und als es 2015 darum ging, die Betonwiderlager der Geierlay-Brücke zu bauen, die seither Mörsdorf und die Nachbargemeinde Sosberg auf spektakuläre Weise verbindet, waren die Schnorpfeils zur Stelle. „Das war Ehrensache“, sagt Hans-Peter Schnorpfeil. Das Gespräch ist fast beendet, nur eine letzte Frage fehlt noch. Wie ist das denn so, wenn eine Baustelle abgeschlossen ist, etwa eine Autobahn? Ist man dann stolz, wenn man über diese Straße fährt? Ist das gedanklich eine Schnorpfeil-Autobahn? Jetzt kulminiert das gesamte Erfolgsgeheimnis des Unternehmens in einem einzigen Wort. Die fünf Männer antworten wie aus einer Pistole geschossen: „Ja!“
Schnorpfeil wurde 1948 in Mörsdorf (Rhein-Hunsrück-Kreis) gegründet. Firmensitz ist seit 1958 Treis-Karden (Kreis Cochem-Zell). Beschäftigt werden etwa 850 Mitarbeiter. Schwerpunkte sind der Straßen- und Ingenieurbau. Hinzu kommen weitere Bereiche wie der Bau von Start- und Landebahnen an Flughäfen, Bahnbau und trimodale Hafenanlagen. Über Tochterunternehmen werden Schutzwände gebaut, Baustoffe produziert, Baustoffrecycling sowie Breitbandausbau und der Ausbau des Stromnetzes betrieben. Neben Treis-Karden befinden sich wichtige Standorte in Mörfelden-Walldorf und Köln. Weitere sind Hachenburg, Montabaur und Simmern. Umsatzzahlen veröffentlicht die Schnorpfeil GmbH nicht, sie wird in der H&E Holding GmbH konsolidiert. Auf dem Bewertungsportal Kununu gibt man einen Jahresumsatz von etwa 170 Millionen Euro an. Seit Gründer Heinz Schnorpfeil 1990 die Leitung des Unternehmens abgab, oblag diese seinen Söhnen Elmar, Hans-Peter und Christoph. 2000 kam Andreas Tiemann als Geschäftsführer hinzu. In den 2010er-Jahren kam es zu einer Aufspaltung. Die vormalige Niederlassung Trier wurde in die Christoph Schnorpfeil GmbH ausgegliedert, die seither eigenständig agiert.
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