BUGA29 ist Investition in die Zukunft

Februar 27, 2026 7 min lesen.

BUGA29 ist Investition in die Zukunft
Foto: Nathalie Gabelmann

Mittelrheintal
Das Jahr 2026 markiert einen Meilenstein in der Vorbereitung der Bundesgartenschau 2029. Mit dem Abschluss zentraler Planungsvergaben und dem Übergang in die Umsetzungsphase nimmt eines der bedeutendsten Struktur- und Entwicklungsprojekte im Oberen Mittelrheintal deutlich Fahrt auf.

Die Bundesgartenschau 2029 steht unter dem Leitthema „Was uns bewegt“ und will weit mehr sein als ein klassisches Gartenfestival. Als länderübergreifendes Jahrhundertprojekt im Unesco-Welterbe Oberes Mittelrheintal soll sie Impulse für nachhaltige Entwicklung, Tourismus, Wirtschaft und regionale Identität setzen.

Gut drei Jahre vor der Eröffnung sind die Planungen fortgeschritten, wie Wiebke Neumann, Leiterin Kommunikation bei der Bundesgartenschau Oberes Mittelrheintal 2029 gGmbH mitteilt: „Sämtliche investiven Planungen für die acht Buga-Parks sind vergeben oder stehen kurz vor dem Abschluss. Anfang 2026 wird auch das Loreleyplateau planerisch auf den Weg gebracht. Damit sind alle Standorte definiert und gestalterisch vorbereitet.“

Die Parks entstehen entlang des Rheins und seiner Nebenräume – von Lahnstein über St. Goar und St. Goarshausen bis nach Bingen und Rüdesheim. Jeder Standort erhält eine eigenständige Gestaltung, angepasst an städtebauliche, landschaftliche und denkmalpflegerische Rahmenbedingungen. Gemeinsamer Nenner ist der doppelte Anspruch: temporäre Bühne für die BUGA29 und zugleich dauerhafte, hochwertige Grün- und Freiräume für die Kommunen. Damit werde eine öffentliche Infrastruktur geschaffen, die weit über das Veranstaltungsjahr hinauswirkt – als Stadtpark, Promenade, Begegnungsraum und touristischer Anziehungspunkt.

Die Parkprojekte folgen einem klaren konzeptionellen Rahmen. Dabei werden auch klimaangepasste Lösungen berücksichtigt, zum Beispiel die Pflanzung klimaresilienter Bäume, zusätzliche Verschattung, wassersensible Planung und bewusster Umgang mit Materialien. Gleichzeitig werden die Parks als multifunktionale Räume gedacht für Spiel, Sport, Erholung, Kultur und Veranstaltungen. Ein weiterer Baustein ist die Entwicklung überregional attraktiver Angebote, insbesondere für Familien. Hochwertige Spiel- und Erlebnisbereiche sollen neue Besuchsanlässe schaffen und den Tourismus im Tal nachhaltig stärken.

Der Übergang von der Planung zur baulichen Umsetzung ist bereits terminiert: Erste Spatenstiche sind ab Ende 2026 vorgesehen. Dabei wird die Buga bereits vor 2029 im Alltag sichtbar. Zwei speziell entwickelte, regionale Staudenmischungen kommen ab Frühjahr 2026 flächendeckend zum Einsatz – abgestimmt auf sonnige Trockenlagen ebenso wie auf schattige Gehölzbereiche. Zahlreiche Kommunen beteiligen sich bereits an dem Programm, das durch Pflanz- und Pflegekonzepte sowie fachliche Workshops begleitet wird. Geplant sind blütenreiche, pflegeextensive Pflanzflächen an geeigneten Standorten im Oberen Mittelrheintal. Durch frühzeitige Pflanzungen können sich artenreiche Bestände gut etablieren – mit positiven Effekten für Biodiversität und die Qualität der Freiräume, auch über die BUGA29 hinaus.

„Wir sehen die Beteiligung der Bürger als wesentlichen Erfolgsfaktor“, betont Wiebke Neumann. “Die Buga-Bürgerprojekte ermöglichen Initiativen und Kommunen, eigene Ideen einzubringen und umzusetzen.“ Nach ersten Pilotvorhaben würden ab 2026 jährlich weitere Projekte realisiert. Eine neu geschaffene Koordinationsstelle sorgt für fachliche Begleitung und niedrigschwellige Beteiligung – insbesondere für kleinere Orte. So wird die Bundesgartenschau gemeinsam gestaltet.

Mit Beginn der Ausstellungsplanung nimmt auch der inhaltliche Kern Gestalt an. Ziel ist es, bis Ende des Jahres erstmals ein Gesamtbild der Ausstellung präsentieren zu können. Ergänzend wird die gärtnerische Umsetzung organisatorisch gestärkt, um Bereiche wie Themengärten, Wechselpflanzungen und Blumenhallen frühzeitig abzusichern. Flankierend dazu laufen weitere strategische Prozesse: Im Tourismus werden neue Kooperationsformate entwickelt, um regionale Anbieter frühzeitig einzubinden. In der Mobilität liegt der Fokus auf integrierten Lösungen aus Shuttleangeboten, Fährverkehren und Kombitickets für den öffentlichen Nahverkehr. Auch das Kunst- und Kulturprogramm wird weiter ausgearbeitet, unter Einbindung lokaler Vereine und Akteure.

Ein wichtiges inhaltliches Fundament bilden die Buga-Dialoge. Sie bringen seit 2023 regelmäßig Fachleute aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zusammen. Diskutiert werden die zentralen Zukunftsthemen der Region: Ortsentwicklung, Wassermanagement, Biodiversität im Klimawandel und touristische Entwicklung.
Der nächste (und zehnte) Dialog findet am 11. März zum Thema Tourismus in Koblenz (bei und in Kooperation mit der IHK) statt. Das Thema „Innovation trifft Tradition“ beleuchtet, wie der Campingplatz der Zukunft aussieht. Für den 25.08. ist der elfte Dialog in Bingen geplant, der sich unter anderem mit der Ortsentwicklung befassen wird.  

Die BUGA29 ist nicht nur ein gärtnerisches Großereignis, sondern ein strategisches Entwicklungsprojekt mit Langzeitwirkung. Sie bündelt Investitionen, aktiviert Netzwerke, stärkt regionale Wertschöpfung und schafft dauerhafte Infrastruktur. Für das Obere Mittelrheintal entsteht so ein nachhaltiger Impuls – ökologisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich.

Interview mit Sven Stimac

Rund drei Jahre vor der Eröffnung sind die Planungen der Buga 29 in vollem Gang. Die WIRTSCHAFT sprach mit Sven Stimac, dem Geschäftsführer der Bundesgartenschau oberes Mittelrheintal 2029 gGmbH, wie der aktuelle Stand ist und wie Unternehmen und Kommunen in den gesamten Ablauf eingebunden werden.

Herr Stimac, wo steht die Buga 2029 aktuell in der Planung und welche Meilensteine sind für die kommenden Monate entscheidend?

2025 wurde das Buga-Konzept, bestehend aus fünf eintrittspflichtigen und drei nicht eintrittspflichtigen Buga-Parks sowie zehn Bürgerprojekten beschlossen. Die Daueranlagen befinden sich in der Entwurfsplanung (die sogenannte Leistungsphase 3). Die Ausstellungsplanung befindet sich in der Abstimmung mit dem beauftragten Landschaftsarchitekturbüro.
Durch die Buga-Dialoge, das Wanderevent, die Roadshow, Baustellenführungen, die Teilnahme am Rheinland-Pfalz Tag sowie das Premierenkonzert des Buga-Orchesters gab es 2025 zahlreiche Momente für den Austausch mit den Bürgern aus dem Oberen Mittelrheintal und darüber hinaus. Prägende Meilensteine 2026 werden der Baubeginn in den ersten Buga-Parks und die Präsentation der Ergebnisse der Ausstellungsplanung sein.

Die Bundesgartenschau erstreckt sich über 67 Rheinkilometer und mehrere Kommunen in zwei Bundesländern. Was sind die Chancen, aber auch die Herausforderungen dieses dezentralen Konzepts?

Es findet eine Erneuerung der Infrastruktur entlang der gesamten 67 Rheinkilometer statt. Exemplarisch sind die Generalsanierung der Bahnstrecken und Bahnhaltepunkte, der Bundesstraßen B9 und B42, Fernradwege sowie die Erneuerung der Rheinanlagen in Boppard, St. Goar, Kestert und Osterspai zu nennen. Insgesamt sind es Investitionen in Höhe von einigen Hundert Millionen Euro, die die Infrastruktur unserer Region aufwerten. 
Eine besondere Herausforderung ist die Berücksichtigung des gesamten oberen Mittelrheintals von Koblenz bis Bingen am Rhein im Konzept der BUGA29. Unsere Antwort darauf sind die fünf eintrittspflichtigen Buga-Parks Lahnstein, Burg Rheinfels, Kultur- und Landschaftspark auf der Loreley, Park am Mäuseturm in Bingen und Hafenpark in Rüdesheim, die jeweils mit einem eigenen Schwerpunkt entwickelt werden. Darüber hinaus unterstützen das Ticketing- und Touristikkonzept den Mehrfachbesuch der Buga.

Als ein wichtiges Ziel wird die nachhaltige Stärkung der Region genannt. Wie werden Unternehmen aus dem Oberen Mittelrheintal konkret eingebunden – sowohl im Vorfeld als auch während der Buga?

Unternehmen sind auf allen Ebenen in die Vorbereitung und Durchführung eingebunden. Die Buga gGmbH ist eine Managementorganisation, die beispielsweise  Aufträge in den Bereichen Architektur, Engineering, Verkehrsplanung sowie Facility Management oder Marketing und Kommunikation vergibt. Ein Großteil dieser Dienstleistungen wird durch Unternehmen aus der Region erbracht. Dies gilt für die Vorbereitungsphase, aber insbesondere auch für die Durchführung.

Welche wirtschaftlichen Effekte erwarten Sie für die Region insgesamt? Geht es dabei eher um kurzfristige Impulse durch Besucherzahlen oder um langfristige Standortvorteile?

Kurzfristige wirtschaftliche Effekte resultieren zunächst aus den Dienstleistungen, die die Unternehmen aus der Region zur Vorbereitung und Durchführung erbringen. Danach sind es die Ausgaben der Gäste für Übernachtungen, Gastronomie und Dienstleistungen während der Buga. Langfristige wirtschaftliche Effekte resultieren aus einer Stabilisierung der touristischen Region.

Das Leitthema „Was uns bewegt“ sowie die vier Subthemen Inspiration, Poesie, Zukunft und Gesundheit sprechen auch gesellschaftliche Fragen an. Welche Rolle spielen regionale Betriebe und Initiativen bei der inhaltlichen Ausgestaltung dieser Themen?

Die Ausstellungsbeiträge einer Bundesgartenschau werden nicht durch die Buga gGmbH, sondern durch die Aussteller (Unternehmen, Verbände, Organisation oder Institutionen) realisiert, die sich beteiligen. Wir bitten die Aussteller, ihre Präsentation mit dem Leitthema und den Subthemen zu verbinden. Die Vielfalt der Interpretation und Ausgestaltung des Leitthemas bestimmt die Qualität der gesamten Ausstellung.

Koblenz spielte bei der Buga 2011 eine zentrale Rolle und beteiligt sich auch diesmal finanziell stark, wird aber keinen eigenen Buga-Park haben. Wie kann es gelingen, dass die Stadt dennoch von der BUGA29 profitiert?

Die Stadt Koblenz ist Oberzentrum im nördlichen Rheinland-Pfalz und profitiert auf verschiedenen Ebenen. Zunächst ist es der Wirtschaftsstandort mit den Unternehmen, die unterschiedliche Dienstleistungen für die Planung und Durchführung der Buga erbringen. Damit hat sich das Engagement der Stadt Koblenz bereits heute gelohnt. Ein weiterer bedeutender Aspekt ist der Tourismus. 2029 wird Koblenz Gastgeber für Übernachtungen und den Besuch der Gartenschau im gesamten Tal. Darüber hinaus werden die Attraktionen und Veranstaltungen der Stadt fest in das touristische Programm der Buga integriert. Ein langfristiger Aspekt ist die touristische Aufwertung des angrenzenden Oberen Mittelrheintals, die auch den Standort Koblenz stärkt.

Was sind Ihre persönlichen Ziele und woran würden Sie messen, dass die BUGA29 für die Region, die Wirtschaft und die beteiligten Städte ein Erfolg war?

Wenn wir es geschafft haben die Gäste mit der Ausstellung und den Veranstaltungen zu begeistern, in den Rezensionen die Gastfreundschaft im gesamten Oberen Mittelrheintal betont wird, sich neue Gastbetriebe angesiedelt haben oder ansiedeln wollen oder bestehende Betriebe in die Zukunft investieren. Schließlich wird die Buga als erfolgreich bewertet werden können, wenn sich alle Städte und Kommunen als eine Destination begreifen und diese gemeinsam weiterentwickeln.

Acht Parks, acht Handschriften

  • In Lahnstein wird in den Rheinanlagen in Ober- und Niederlahnstein ein zusammenhängender Grünraum entlang des Rheins entstehen, ergänzt durch Planungen der Stadt entlang der Lahn.
  • Der Entwurf für den Buga-Park St. Goar umfasst den Innenbereich der Burgruine Rheinfels, den Burgvorplatz und heutige Parkplatzflächen, mit besonderem Augenmerk auf den sensiblen Umgang mit Denkmal und Welterbe.
  • Auf dem Loreleyplateau wird ab 2026 die Planung für den Kultur- und Landschaftspark sowie den Vorbereich zwischen Besucherparkplatz und Touristinformation ausgearbeitet. Das Vergabeverfahren läuft  aktuell noch.
  • In St. Goarshausen ist die die Neugestaltung des Rheinvorlands rund um den denkmalgeschützten Häusener Kran in Planung.  
  • In Bacharach entsteht vom Campingplatz über die historische Parkanlage bis zur Mündung des Münzbaches eine Verbindung zwischen Rhein und Innenstadt.
  • In Bingen wird der „Park am Mäuseturm“, der bereits zur Landesgartenschau 2008 angelegt wurde, weiterentwickelt – mit Fokus auf Revitalisierung, Bestandserhalt und Wiederverwendung vorhandener Materialien.
  • In Rüdesheim wird im Hafenpark besonderen Wert gelegt auf einen sensiblen Umgang mit dem Bestand und die Einbindung in die besondere Kulturlandschaft  des Oberen Mittelrheintals.
  • In Assmannshausen wird der vorhandene Streifen zwischen der B42 und der Rheinuferpromenade in einen grünen Korridor umgewandelt. Die Übergänge zu den Schiffsanlegern werden als Willkommenszonen ausgearbeitet.

Nach dem erfolgreichen Debüt des BUGA-Orchesters öffnet die BUGA gGmbH erneut die Anmeldung für interessierte Musikerinnen und Musiker. Im Mittelpunkt steht ein besonderes Open-Air-Konzert am 30. August 2026 auf der Freilichtbühne Maria Ruh in Urbar.

Die BUGA-Bürgerprojekte sind ein wichtiger Baustein für die nachhaltige Entwicklung des Oberen Mittelrheintals. Sie ermöglichen es Bürgerinitiativen und Kommunen, innerörtliche Freiräume aufzuwerten und blühende Oasen zu schaffen – weit über das Jahr 2029 hinaus.

Sven Stimac


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