April 24, 2026 3 min lesen.
Die Politik setzt auf Nachhaltigkeit und zwingt Hersteller und Handel zum Umdenken. Mit dem neuen Recht auf Reparatur entsteht ein neuer Markt, der ganze Branchen neu ordnen könnte.
Ob Smartphone, Kaffeeautomat oder Waschmaschine: Bei Defekten wurde bislang häufig neu gekauft statt repariert. Diese Wegwerfmentalität bei Elektrogeräten soll nun ein Ende haben. Mit der EU-Richtlinie (EU) 2024/1799 und ihrer Umsetzung in nationales Recht bis zum 31. Juli 2026 schafft der Gesetzgeber die Grundlage für ein Recht auf Reparatur, das sowohl Verbraucher stärkt als auch Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette vor neue Herausforderungen stellt.
Im Zentrum der Reform steht die Verpflichtung von Herstellern, bestimmte Produkte über ihre übliche Lebensdauer hinweg reparieren zu müssen – und das zu einem angemessenen Preis. Was zunächst nach Verbraucherschutz klingt, greift tief in bestehende Geschäftsmodelle ein. Denn künftig müssen Unternehmen nicht nur langlebiger produzieren, sondern auch ihre Service- und Ersatzteilstrukturen ausbauen.
Ein wesentlicher Bestandteil der Neuregelung ist die bessere Verfügbarkeit von Ersatzteilen und Reparaturwerkzeugen. Diese sollen zu fairen Bedingungen bereitgestellt werden – auch für unabhängige Reparaturbetriebe. Gleichzeitig werden technische und softwarebasierte Hürden, die Reparaturen bislang erschweren oder verhindern, weitgehend unzulässig.
Auch im Kaufrecht verschieben sich die Maßstäbe: Die sogenannte „übliche Beschaffenheit“ eines Produkts umfasst künftig ausdrücklich Kriterien wie Haltbarkeit, Reparierbarkeit und Kompatibilität. Damit wird die Reparaturfähigkeit rechtlich zu einem Qualitätsmerkmal.
Für Verbraucher entstehen zusätzliche Anreize: Wer sich im Gewährleistungsfall für eine Reparatur entscheidet, profitiert von einer verlängerten Verjährungsfrist für Mängelansprüche. Gleichzeitig werden Hersteller verpflichtet, transparent über Reparaturmöglichkeiten zu informieren – unter anderem durch standardisierte Informationsformulare.
Die neuen Regelungen betreffen Hersteller, Importeure und Handel gleichermaßen. Sie erhöhen den Druck, Produkte nachhaltiger zu gestalten, eröffnen aber zugleich neue Geschäftsfelder im Service- und Reparaturbereich. Hier setzt eine Entwicklung an, die in der Praxis mancherorts bereits begonnen hat. Denn während die Politik noch an den rechtlichen Rahmenbedingungen arbeitet, gibt es Unternehmen, die das Prinzip der Reparatur bereits seit Jahren aktiv vorantreiben.
Ein Beispiel dafür ist die Hans Krempl Haustechnik GmbH. Das Koblenzer Familienunternehmen hat früh erkannt, dass sich ökonomische und ökologische Interessen im Reparaturgeschäft verbinden lassen. Bereits 2009 rief Krempl die Initiative „Deutschland repariert – Reparieren statt wegwerfen“ ins Leben und wurde dafür mit dem Umweltpreis des Ministeriums für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz in Rheinland-Pfalz ausgezeichnet. Ziel der Initiative ist eine nachhaltigere Nutzung von Elektrogeräten und die Reduzierung von Elektroschrott.
„Als einer der großen deutschen Hausgeräte-Ersatzteilversorger versuchen wir, eine ‚Reparaturkultur‘ zu etablieren, die den Hausgerätenutzern, der heimischen Wirtschaft und der Umwelt zugutekommt“, betont Geschäftsführer Hans Krempl. Mehr als 1200 Betriebe haben sich dieser Initiative inzwischen angeschlossen und tragen dazu bei, dass defekte Geräte häufiger instand gesetzt statt entsorgt werden.
Der Hintergrund ist ein strukturelles Problem: In Deutschland entstehen jährlich rund zwei Millionen Tonnen Elektroschrott – ein erheblicher Teil davon wären vermeidbar, wenn Reparaturen einfacher zugänglich wären. Initiativen wie diese schaffen dafür die notwendige Infrastruktur und fördern zugleich ein Umdenken bei Verbrauchern und Betrieben.
Die Hans Krempl Haustechnik GmbH feiert in diesem Jahr ihr 70-jähriges Bestehen. Gegründet 1956 durch Hans Krempl Senior, entwickelte sich das Unternehmen von einer klassischen Werksvertretung zu einem modernen, breit diversifizierten Familienbetrieb. Heute ist bereits die dritte Generation in der Unternehmensführung aktiv.
Kern des Geschäfts ist nach wie vor der Handel mit Ersatz- und Zubehörteilen für elektrische Hausgeräte. Mit einem Sortiment von über fünf Millionen Artikeln und einem leistungsfähigen Logistiksystem zählt Krempl zu den großen Ersatzteilversorgern in Deutschland. Für Fachhandel, Handwerk und Endkunden bedeutet das vor allem eines: schnelle Verfügbarkeit – ein entscheidender Faktor für wirtschaftlich sinnvolle Reparaturen.
Darüber hinaus hat das Unternehmen sein Portfolio konsequent erweitert. Neben dem Ersatzteilgeschäft umfasst es heute auch den Vertrieb von Groß- und Kleingeräten, Beratungsleistungen sowie die Planung und Umsetzung von Einbauküchen. Eigene Marken im Ersatzteilsegment ergänzen das Angebot und stärken die Position im Wettbewerb.
Charakteristisch ist dabei die Verbindung von traditionellem Serviceverständnis mit digitalisierten Prozessen. Onlinehandel und effiziente Logistikstrukturen ermöglichen es, sowohl gewerbliche Kunden als auch private Haushalte zuverlässig zu bedienen. Gleichzeitig bleibt die Nähe zum Handwerk ein zentraler Bestandteil des Geschäftsmodells. „Bei uns steht Nachhaltigkeit vor kurzer Gewinnmaximierung“, verspricht Hans Krempl. „Verbindlichkeit, Stabilität, Vertrauen und Flexibilität zeichnen uns aus. Für den heutigen und auch für den künftigen Markt arbeiten wir stetig an Lösungen.“
Mit Blick auf die kommenden gesetzlichen Anforderungen zeigt sich, dass Unternehmen wie Krempl gut positioniert sind. Sie verfügen bereits über die Strukturen, die künftig an Bedeutung gewinnen: Zugang zu Ersatzteilen, logistische Kompetenz und ein Netzwerk von Reparaturbetrieben. Das Recht auf Reparatur könnte diese Entwicklung weiter beschleunigen. Denn es stärkt nicht nur die Nachfrage nach Reparaturdienstleistungen, sondern zwingt auch Hersteller dazu, ihre Produkte entsprechend auszurichten. Für den Handel und spezialisierte Dienstleister eröffnet sich damit ein Markt, der lange unterschätzt wurde. Das neue Recht setzt dafür den Rahmen – die praktische Umsetzung liegt bei Unternehmen, Handwerk und Verbrauchern.
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