Erfolgsmodell Quereinsteiger

September 15, 2026 10 min lesen.

Erfolgsmodell Quereinsteiger

Arbeitsmarkt
Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft beschäftigen rund 61 Prozent der Unternehmen in Deutschland Quereinsteiger. Neun von zehn Betrieben, die bereits mit Berufswechslern arbeiten, berichten von guten Erfahrungen. Was macht diese Menschen zu einem Gewinn für Unternehmen?

Bereits seit 1852 werden in Bad Neuenahr-Ahrweiler Getränke abgefüllt. Unter dem Namen Apollinaris entwickelte sich das Wasser aus den Quellen des Ahrtals zu einer weltbekannten Marke. Schon ab 1874 gingen jährlich eine Million Flaschen allein nach Großbritannien, wo „The Queen of Table Waters“ besonders beliebt war. Auf diese lange Tradition sind die rund 300 Mitarbeitenden des einzigen Werks von Coca-Cola in Rheinland-Pfalz stolz. Denn die meisten von ihnen kommen unmittelbar aus der Region. 2006 übernahm Coca-Cola Europacific Partners Deutschland (CCEP) das Werk und investierte umfassend, um neben dem Mineralwasser Apollinaris auch Coca-Cola-Getränke abzufüllen. Rund 169 Millionen Liter Erfrischungsgetränke werden am Standort Bad Neuenahr-Ahrweiler jährlich produziert. Etwa 65 000 Mehrwegflaschen laufen jede Stunde vom Band.

„An unserem Standort haben wir sehr gute Erfahrungen mit Quereinsteigern gemacht, insbesondere in den Bereichen Produktion, Logistik und Instandhaltung.“
Hannes Bessinger, Betriebsleiter des Standorts Bad Neuenahr-Ahrweiler von Coca-Cola Europacific Partners in Deutschland

Hannes Bessinger ist seit 2019 für Coca-Cola Europacific Partners in Deutschland tätig und leitet seit dem Jahr 2024 den Betrieb in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Im selben Jahr wurde für rund 15 Millionen Euro eine der beiden Abfüllanlagen für wieder befüllbare PET-Flaschen runderneuert. Dadurch entstanden 30 zusätzliche Arbeitsplätze. Nicht wenige davon wurden mit sogenannten Quereinsteigern besetzt, also Menschen, die in einen neuen Beruf oder in eine andere Branche wechseln, ohne die dafür übliche Ausbildung absolviert zu haben. „An unserem Standort haben wir sehr gute Erfahrungen mit Quereinsteigern gemacht, insbesondere in den Bereichen Produktion, Logistik und Instandhaltung“, sagt Bessinger. „Viele Tätigkeiten lassen sich mit einer fundierten Einarbeitung, praktischer Anleitung und den entsprechenden Schulungen erfolgreich erlernen. Häufig bringen Berufswechsler wertvolle Erfahrungen aus anderen Industrien oder aus Handwerks- oder Dienstleistungsbereichen mit, die unseren Teams neue Perspektiven eröffnen.“

Stefanie Adam, seit Jahresbeginn neue Leiterin der Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen, ist davon überzeugt, dass die Berücksichtigung von Arbeitnehmern, die einen Neustart in einer gänzlich anderen Branche wagen, ein wesentlicher Teil der Personalstrategie von Unternehmen sein sollte. „Das ist für uns auch ein wichtiges Element unserer Arbeitgeberberatung, weil sich der Arbeitsmarkt durch den Fachkräftemangel und die demografische Entwicklung gravierend verändert. Wer sich offen für Quereinsteiger zeigt, macht sein Unternehmen für einen größeren Bewerberkreis attraktiv.“ Auch die Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen selbst beschäftigt zahlreiche Berufswechsler, die nach einer entsprechenden Einarbeitung zum Beispiel als Berater tätig werden. Diese Maßnahme soll dabei helfen, den demografischen Schwund in der Agentur abzumildern. Denn in den kommenden zehn Jahren werden altersbedingt rund 25 Prozent der Belegschaft ausscheiden. „Bei den Seiteneinsteigern stehen nicht so sehr die fachlichen Berufsqualifikationen im Vordergrund. Diese kann man sich auch mit einer guten Einarbeitung im Job aneignen“, sagt Adam. „Es sind vor allem die Softskills wie intrinsische Motivation, Zuverlässigkeit, Lernbereitschaft, Kommunikationsfähigkeit und Aufgeschlossenheit für Neues, die den Mehrwert für ein Unternehmen ausmachen.“

Die Deutsche Bahn geht mit dem Thema Quereinsteiger ganz besonders offensiv um. Auf dem Jobportal Stepstone finden sich etwa 100 Stellenanzeigen, die explizit an Seiteneinsteiger gerichtet sind. Jährlich rekrutiert die Deutsche Bahn bundesweit rund 4000 davon. Samir Boucheqif ist Personalleiter der DB Regio Mitte und nennt das Werben um externe, berufsfremde Bewerber einen festen Bestandteil der Personalstrategie. „2025 haben wir im Bereich Regio Mitte mehr als 200 Menschen für den Einsatz als Lokführerinnen und Lokführer und für die Kundenbetreuung im Nahverkehr gewinnen können, die dann bei uns eine sogenannte Funktionsausbildung durchlaufen.“ Berufsanfänger und Berufsfremde aus den verschiedensten Branchen starten die Karriere bei der DB Regio Mitte mit unterschiedlichem Know-how, aber mit dem selben Ziel – entweder, Triebfahrzeugführer zu werden oder eine Tätigkeit im Rahmen von Service und Kundenbetreuung in den Zügen aufzunehmen. Dazu werden Ausbildungsgruppen von sechs bis zwölf Teilnehmern gebildet, die in Qualifizierungszentren an verschiedenen Standorten von einem Trainer begleitet werden. Angehende Lokführer verbringen im Schnitt zwölf Monate auf der Schulbank inklusive einem dazugehörigen Fahrtraining, bevor nach bestandener Prüfung der Lokführerschein ausgehändigt wird.

„Die Berufsgruppen, die ihre Zukunft in der Eisenbahnfamilie sehen, sind breit gefächert. Es bewerben sich Bäcker- und Friseurmeister, Menschen aus dem Pflegedienst oder ehemalige Flugbegleiter. Auch einen Winzer hatten wir schon dabei.“
Samir Boucheqif, Personalleiter der DB Regio Mitte

Deutlich schneller läuft die Umschulung für die Kundenbetreuer im Nahverkehr: Drei Monate theoretischer Unterricht, schriftliche Prüfung, Praxisvorbereitung und dann die praktische Abschlussprüfung. „Die Berufsgruppen, die ihre Zukunft in der Eisenbahnfamilie sehen, sind breit gefächert. Es bewerben sich Bäcker- und Friseurmeister, Menschen aus dem Pflegedienst oder ehemalige Flugbegleiter. Auch einen Winzer hatten wir schon dabei“, sagt der Personalleiter von DB Regio Mitte. Die Voraussetzung, die alle zusammen mitbringen müssen, ist der Nachweis einer abgeschlossenen Ausbildung. Viele der Neulinge sind um die 40 bis 45 Jahre alt, Menschen also, die schon 15 oder 20 Jahre in einem anderen Beruf tätig waren und dann den Entschluss fassen, etwas gänzlich Neues zu wagen

Boucheqif gibt die Erklärung dafür, warum die Deutsche Bahn einen so hohen Ausbildungsaufwand betreibt. „Wir können uns nicht einfach auf dem Arbeitsmarkt bedienen. Wenn wir unsere Lokführer nicht selbst ausbilden, macht es kein anderer für uns. Das zeigt: Der Quereinstieg ist ein enorm wichtiger Rekrutierungskanal, um hohe Personalbedarfe in den operativen Berufen zu decken.“ In den Qualifizierungszentren wird nicht nur Wissen vermittelt. Mancher muss das Lernen erst wieder lernen und wird dabei unterstützt. Andere leiden unter Prüfungsangst und können sich Rat und Hilfe bei einem fachkundigen Sozialarbeiter der Deutschen Bahn holen.

„Zu einem so grundsätzlichen Entschluss, sich aus Beruf und Branche völlig zu verabschieden, gehören hohe Eigenmotivation und Mut. Solche Menschen sind bereit, ihre Komfortzone zu einhundert Prozent zu verlassen“, sagt Jens Bielmann, der den Aufbau und die Weiterentwicklung des Talent-Acquisition-Bereichs von Coca-Cola in Deutschland verantwortet. Quereinsteiger sind für Bielmann eine wertvolle Bereicherung für ein Unternehmen. Sie hinterfragen oft bestehende Prozesse und erkennen Verbesserungen bei eingefahrenen Abläufen, weil sie unvoreingenommen sind und einen frischen Blick auf die Dinge werfen. „Besonders viele von ihnen finden sich bei uns in der Vertriebs- und Außendienstmannschaft“, sagt Bielmann. „Sie waren oft im sogenannten Außerhausmarkt − also im Handel und der Gastronomie − tätig. Weil sie diese Bereiche in- und auswendig kennen, geben sie uns wichtige Impulse, von denen die bestehenden Teams und nicht selten auch unsere Führungskräfte profitieren.“ Coca-Cola legt allerdings auch großen Wert darauf, intern ebenfalls für eine große Durchlässigkeit zwischen den unterschiedlichen Fachgebieten zu sorgen. Mit solchen crossfunktionalen Moves, also funktions- und abteilungsübergreifenden Verschiebungen, werden gut 60 Prozent der internen Stellen besetzt.

„Der Arbeitsmarkt verändert sich durch den Fachkräftemangel und die demografische Entwicklung gravierend. Wer sich offen für Quereinsteiger zeigt, macht sein Unternehmen für einen größeren Bewerberkreis attraktiv.“
Stefanie Adam, Leiterin der Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen

Die Leiterin der Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen stellt fest, dass die starren Grenzen zwischen den Berufsbildern zunehmend aufweichen und Berufsbiografien nicht mehr so gradlinig sind, wie noch vor wenigen Jahren. Drei oder vier Stellenwechsel innerhalb von zehn Jahren, auch zwischen unterschiedlichen Branchen, gelten inzwischen als gängige Praxis, die heutzutage bei keinem Personalleiter im Bewerbungsgespräch noch ein Stirnrunzeln hervorruft. „Auch unsere Rolle als Arbeitsagentur hat sich verändert. Die Berufsberatung im Erwerbsleben hat an Bedeutung erheblich zugenommen, weil das klassische Lebensmodell Ausbildung, Beruf, Rente an Relevanz verliert. Die beruflichen Biografien sind vielschichtiger und bunter geworden“, weiß Adam. Mit dem Vorwurf, die Agentur für Arbeit spanne mit der Berufsberatung im Erwerbsleben den Unternehmen Arbeitskräfte aus, wird die Behörde kaum noch konfrontiert. „Jeder Arbeitnehmer und jeder Arbeitgeber hat die Möglichkeit, unsere Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen“, sagt Adam. Ein wichtiges Instrument sind die Arbeitsmarktdrehscheiben. In solchen Fällen übernimmt die Agentur eine Art Vermittlungsfunktion zwischen Unternehmen, bei denen Stellenabbau droht und lotet die Chancen für betroffene Beschäftigte bei anderen Unternehmen aus, wo Mangel an Arbeitskräften herrscht.

In einem sogenannten Career Hub können Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Kompetenzen, Fähigkeiten, ihre Berufserfahrung und den Wunsch, wohin sie sich gern weiterentwickeln möchten, einstellen. Bielmann illustriert an einem Beispiel, wie erfolgreich man Talente mit einem individuellen Entwicklungsplan aufbauen und fördern kann. Eine Mitarbeiterin, die ursprünglich aus dem Personalwesen kam, wurde durch ein fundiertes Training und Mentoring zur technischen Betriebsleiterin eines Abfüllstandortes. Sie setzte ihren Karriereweg anschließend erfolgreich fort und ist heute Direktorin im Bereich Quality. Eine berufliche Chanceneröffnung, die auch quereinsteigenden Talenten bei Coca-Cola geboten wird.

„Zu einem so grundsätzlichen Entschluss, sich aus Beruf und Branche völlig zu verabschieden, gehört hohe Eigenmotivation und Mut. Solche Menschen sind bereit, ihre Komfortzone zu einhundert Prozent zu verlassen.“
Jens Bielmann, verantwortlich für den Aufbau und die Weiterentwicklung des Talent-Acquisition-Bereichs von Coca-Cola in Deutschland

Die Leiterin der Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen stellt fest, dass die starren Grenzen zwischen den Berufsbildern zunehmend aufweichen und Berufsbiografien nicht mehr so gradlinig sind wie noch vor wenigen Jahren. Drei oder vier Stellenwechsel innerhalb von zehn Jahren, auch zwischen unterschiedlichen Branchen, gelten inzwischen als gängige Praxis, die heutzutage bei keinem Personalleiter im Bewerbungsgespräch noch ein Stirnrunzeln hervorruft. „Auch unsere Rolle als Arbeitsagentur hat sich verändert. Die Berufsberatung im Erwerbsleben hat an Bedeutung erheblich zugenommen, weil das klassische Lebensmodell Ausbildung, Beruf, Rente an Relevanz verliert. Die beruflichen Biografien sind vielschichtiger und bunter geworden“, weiß Adam. Mit dem Vorwurf, die Agentur für Arbeit spanne mit der Berufsberatung im Erwerbsleben den Unternehmen Arbeitskräfte aus, wird die Behörde kaum noch konfrontiert. „Jeder Arbeitnehmer und jeder Arbeitgeber hat die Möglichkeit, unsere Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen“, sagt Adam. Ein wichtiges Instrument sind die Arbeitsmarktdrehscheiben. In solchen Fällen übernimmt die Agentur eine Art Vermittlungsfunktion zwischen Unternehmen, bei denen Stellenabbau droht und lotet die Chancen für betroffene Beschäftigte bei anderen Unternehmen aus, wo Mangel an Arbeitskräften herrscht.

Nach Adams Erfahrung haben zahlreiche Unternehmen in Rheinland-Pfalz die Zeichen der Zeit erkannt. Quereinsteiger sind gesucht und willkommen, um als Unternehmen, unabhängig von den Schwankungen im Arbeitsmarkt, auf lange Perspektive mit gutem Personal tragfähig zu bleiben. „Nicht jeder dieser neuen Mitarbeiter muss nach guter Einarbeitung seine Qualifikation als Gesamtpaket abliefern. Unternehmen können Berufsfelder auch in Teilqualifikationen aufsplitten.“ Jobangebote, die quereinsteigerfähig sind, werden von der Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen explizit gekennzeichnet.

Aber dem Quereinstieg sind auch Grenzen gesetzt. Sie liegen vor allem in strengen gesetzlichen Vorschriften für reglementierte Berufe oder fehlendem Fachwissen in Spezialbereichen. „Es gibt Tätigkeiten, für die spezielle technische Qualifikationen, gesetzlich vorgeschriebene Nachweise oder langjährige Fachkenntnisse einfach erforderlich sind“, sagt der Betriebsleiter von Coca-Cola in Bad Neuenahr-Ahrweiler. „Das betrifft beispielsweise bestimmte Aufgaben in der Elektrotechnik oder hoch spezialisierte technische Funktionen.“ Als Hürde können sich aber auch finanzielle Abstriche beim Einstieg erweisen. Ohne Vorkenntnisse starten Berufsfremde ohne Erfahrung häufig auf einer niedrigeren Gehaltsstufe als ausgebildete Fachkräfte. Umschulungen oder Weiterbildungen kosten Zeit und Geld. Oft entsteht dann eine Übergangsphase ohne volles Einkommen, die den einen oder anderen vom Abenteuer Quereinstieg letztlich doch abschreckt.

Hannes Bessinger

Bessinger ist seit 2019 für Coca-Cola Europacific Partners in Deutschland tätig. Nach mehreren Führungsaufgaben in der Produktion verantwortete er zunächst als Produktionsleiter die Steuerung und Weiterentwicklung des Produktionsbereichs und übernahm anschließend zusätzlich die Leitung von Wartung und Instandhaltung am Standort Karlsruhe. Seit 2024 ist er Betriebsleiter in Bad Neuenahr und trägt die Gesamtverantwortung für die dortigen Produktions- und Betriebsabläufe. Foto: Coca-Cola Europacific Partners in Deutschland

Samir Bouchequif

Boucheqif ist Betriebswirt und Regionalleiter Personal bei DB Regio Mitte. Er verfügt über langjährige Erfahrung im Personalmanagement, in der Begleitung von Führungskräften sowie in der Gestaltung von Veränderungs- und Organisationsprozessen. Sein beruflicher Schwerpunkt liegt auf strategischer Personalarbeit, wirksamer Führung, klarer Kommunikation und der Weiterentwicklung leistungsfähiger Strukturen in einem operativ anspruchsvollen Umfeld. 

Stefanie Adame

Adam ist seit Jahresbeginn Leiterin der Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen. Zuvor führte sie zwei Jahre lang die Agentur für Arbeit Neuwied. Mit mehr als 25 Jahren Berufserfahrung bei der Bundesagentur für Arbeit mit Führungsaufgaben sowohl in Rheinland-Pfalz als auch im Saarland bringt sie umfangreiche Expertise in den Bereichen Arbeitsmarkt, Beschäftigung und Personalgewinnung mit. Der Agenturbezirk Koblenz-Mayen umfasst die kreisfreie Stadt Koblenz sowie die drei Landkreise Ahrweiler, Cochem-Zell und Mayen-Koblenz.

Jens Bielmann

Bielmann ist seit 2006 Teil der Coca-Cola-Organisation in Deutschland. Nach seinem betriebswirtschaftlichen Studium übernahm er Führungsaufgaben im Personalbereich, unter anderem die HR-Betreuung des Produktionsstandorts Mannheim. In seiner anschließenden Funktion als Senior Manager steuerte er bundesweit die Bereiche Talentmanagement, Young Talents und Employer Branding. Seit 2023 verantwortet er den Aufbau und die Weiterentwicklung des Talent-Acquisition-Bereichs von Coca-Cola in Deutschland.

Rückgrat KMU

Trotz der seit Jahren andauernden geopolitischen Herausforderungen erwirtschafteten die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) laut der derzeit verfügbaren Daten im Jahr 2024 rund 2,8 Billionen Euro. Das waren 29 Prozent des gesamten Umsatzes in Deutschland. Mehr als 3,5 Millionen Unternehmen in Deutschland zählen gemäß der KMU-Definition der Europäischen Kommission zu den kleinen und mittleren Unternehmen. Das sind mehr als 99 Prozent aller Unternehmen der Privatwirtschaft. In den Kleinst-, Klein- oder mittelgroßen Unternehmen arbeitet weiterhin mehr als die Hälfte aller abhängig Beschäftigten (knapp 22 Millionen von rund 40 Millionen). Auch die Ausbildung von Fachkräften (68 Prozent) findet überwiegend in den Unternehmen dieser Größenklassen statt. Gleichwohl sinkt seit Jahren der Anteil der Auszubildenden in den Kleinst- und Kleinbetrieben, während der Anteil in den größeren Betrieben stetig steigt. Quelle: Institut für Mittelstandsforschung Bonn

Das Azubi-Dilemma

Rheinland-Pfalz verzeichnete 2025 die niedrigste Zahl an Auszubildenden seit Erhebung der Daten Ende der 1970er-Jahre. Die rheinland-pfälzischen Kammern meldeten für das vergangene Jahr rund 57 700 bestehende Ausbildungsverhältnisse. Die Auszubildendenzahl ging damit gegenüber dem Vorjahr um rund 800 Personen zurück. Das entspricht einem Minus von 1,3 Prozent. Seit Einführung der Berufsbildungsstatistik im Jahr 1977 ist dies die niedrigste Zahl junger Menschen in dualer Berufsausbildung. Gegenüber dem Jahr 1984, in dem mit rund 112 000 die bislang höchste Zahl an Ausbildungsverhältnissen registriert wurde, hat sich die Zahl der Auszubildenden demnach beinahe halbiert. Der Rückgang ist unter anderem auf die demografische Entwicklung und auch auf den Trend der Höherqualifikation zurückzuführen, also dem zunehmenden Interesse, ein Studium statt einer Ausbildung zu beginnen.
Gegenüber dem Vorjahr war der Ausbildungsbereich Industrie und Handel am stärksten von dieser rückläufigen Entwicklung betroffen. Hier sank die Zahl der Auszubildenden um etwa 1000. In den anderen Ausbildungsbereichen waren eher geringe Rückgänge und teilweise auch leichte Zuwächse zu verzeichnen (freie Berufe plus 200 und Handwerk plus 100).
In Summe begannen im Jahr 2025 rund 21 700 junge Menschen in Rheinland-Pfalz eine Ausbildung, darunter 11 500 im Bereich Industrie und Handel sowie 6900 im Handwerk. Damit lag die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge 3,7 Prozent unter dem Vorjahreswert. Etwa ein Drittel der Auszubildenden mit einem neu abgeschlossenen Ausbildungsverhältnis war weiblich. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz

Arbeitslosenzahlen

Die Arbeitslosenquote war im bundesweiten Vergleich im Jahr 2025 in Bremen mit 11,5 Prozent am höchsten. Knapp dahinter lag Berlin mit einer durchschnittlichen Quote von 10,3 Prozent. Die geringste Arbeitslosenquote herrschte mit 4,0 Prozent in Bayern. Trotz eines leichten Anstiegs im Vergleich zum Vorjahr (2024: 5,3 Prozent) belegt Rheinland-Pfalz mit 5,5 Prozent im Jahr 2025 den drittniedrigsten Platz und schlägt sich deshalb im Bundesländervergleich sehr gut.
Die Arbeitslosenquote stellt den Anteil der Arbeitslosen an der Gesamtzahl der zivilen Erwerbspersonen (abhängig Beschäftigte, zivile Erwerbspersonen sowie Selbstständige und mithelfende Familienangehörige) dar.
Quelle und Grafik: Bundesagentur für Arbeit/Statista


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