Sichtbar und mutig: weibliche Führungskompetenz

Dezember 19, 2025 5 min lesen.

Sichtbar und mutig: weibliche Führungskompetenz

Auszeichnung
Für den bundesweiten Preis „Erfolgreiche Frauen im Mittelstand“ wurden auch Unternehmerinnen aus Rheinland-Pfalz nominiert. Sie berichten, wie viel Haltung und Ausdauer hinter einem solchen Erfolg stehen. Was sie eint, ist die Überzeugung: Frauen können alles erreichen, müssen aber oft mehr leisten.

Seit 2018 werden Geschäftsführerinnen, Gründerinnen und Nachfolgerinnen aus mittelständischen Unternehmen für ihre nachhaltige, erfolgreiche und zukunftssichernde Unternehmensaufstellung sowie für ihre besonderen Verdienste im Bereich der Förderung von Vereinbarkeit von Familie und Beruf ausgezeichnet. Der bundesweite Preis "Erfolgreiche Frauen im Mittelstand" wurde vom Landesfrauenrat Rheinland-Pfalz in Kooperation mit dem Institut für Familienunternehmen und Mittelstand der WHU-Otto Beisheim School of Management in Vallendar bereits dreimal verliehen. Ab 2024 wird zusätzlich, gemeinsam mit dem „Innovator des Jahres“, der Publikumspreis ausgeschrieben. Ziel der Ehrung ist es, mit mustergültigen „Role Models“ die Gesellschaft zu verändern, Frauen sichtbarer zu machen und andere Frauen zu eigenen Karrieren zu motivieren.

Genau dies zeigten die diesjährigen insgesamt 20 Nominierten in besonderer Weise – mit ganz unterschiedlichen Lebenswegen, aus unterschiedlichen Branchen und Unternehmensgrößen.

Eine der Nominierten aus Rheinland-Pfalz ist Dr. Antje Eckel, Gründerin und Geschäftsführerin der Dr. Eckel Animal Nutrition in Niederzissen. In der Begründung der Jury heißt es: „Dr. Antje Eckel hat das Unternehmen zu einem der führenden Anbieter für phytogene Zusatzstoffe aufgebaut. Mit Weitblick investierte sie früh in Forschung, internationale Märkte und ein starkes Team. Sie verbindet strategische Exzellenz mit gesellschaftlicher Verantwortung für gesunde Tiere, nachhaltige Produktion und zukunftsfähige Landwirtschaft.“

Der Preis sei für sie vor allem ein Signal, sagt Dr. Antje Eckel: „Unsere Branche wird wahrgenommen, unsere Themen – Tierwohl, Nachhaltigkeit und Innovation – sind relevant.“ Vor allem aber sei eine solche Auszeichnung wichtig, weil sie zeige, dass erfolgreiche Unternehmensführung „nichts mit Geschlecht zu tun hat. Entscheidend sind Kompetenz, Leistung und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.“ Eckel weiß, wovon sie spricht: Seit 30 Jahren führt sie ihr Unternehmen, oft gegen Widerstände. „Ich bin damals angetreten als Frau in einer stark männerdominierten Branche. Meine Geschäftsidee wurde von vielen belächelt.“ Ein Kredit sei ihr einst nur unter der Bedingung angeboten worden, dass ihr Mann mit unterschreibe, obwohl sie Alleingesellschafterin war. Sie suchte sich eine andere Bank. Heute sagt sie: „Ich habe oft die Erfahrung gemacht, dass Frauen unterschätzt werden. Meine Strategie: einen Vorteil für sich daraus machen.“

Karin Kretzer, Vorständin beim Digitalunternehmen Brickmakers AG in Koblenz, bringe Strategie mit Kultur sowie Digitalisierung und KI mit Menschlichkeit zusammen, sagt die Jury zu ihrer Nominierung. Sie sehe Arbeit als wertvolle Lebenszeit – mit Raum für Entwicklung, Vertrauen und Verantwortung. Ihr Antrieb sei ein gutes Leben für alle Beteiligten – nachhaltig, sinnstiftend, mutig, denn Wirtschaft dürfe der Welt guttun. Für Karin Kretzer selbst ist die Platzierung unter den Top 20 vor allem eine Bühne. „Ich selbst hatte früher kaum weibliche Role Models – gerade in Technik und in Führungsrollen. Deshalb sehe ich Awards wie diesen nicht als Selbstzweck, sondern als Plattform. Wenn mehr Frauen gesehen werden, werden mehr Wege denkbar.“

Ihre Karriere war selten linear, sondern geprägt von bewussten Brüchen und Neustarts. „Karriere ist keine Leiter, sondern eine Kletterwand“, sagt sie. Stationen in Marketing, Vertrieb, Konzerninnovation, Start-up-Aufbau und Selbstständigkeit führten sie schließlich in die Vorstandsrolle, in der sie heute Zukunftsthemen wie Mensch–Agenten-Ökosysteme oder Energiewende verantwortet.

Dass ihr Weg nicht ohne Belastungen verlief, beschreibt sie offen: „Über Jahre haben Perfektionismus, Verantwortungsdruck und die Abwesenheit weiblicher Vorbilder mich angetrieben – und manchmal auch überfordert.“ Ein gesundheitlicher Zusammenbruch 2019 habe ihr Verhältnis zur Arbeit grundlegend verändert. „Mir wurde klar, wie wichtig es ist, Entscheidungen so zu treffen, dass Menschen gesund und wirksam bleiben.“ Seitdem verfolgt sie eine klare Haltung: „Konzentriere dich auf deinen Einflussbereich. Veränderung entsteht nicht durch Warten. Sie entsteht durch Handeln.“ Für die Tech- und Mittelstandswelt wünscht sie sich mehr kognitive Vielfalt und mehr Mut zu echten Diskursen. „Komplexe Probleme brauchen unterschiedliche Blickwinkel – nicht homogene Runden. Und ich wünsche mir, dass wir uns wieder stärker auf das konzentrieren, was uns weiterbringt: eine konstruktive Haltung, Neugier und den Willen, Lösungen zu gestalten statt Probleme zu verwalten.“

Kerstin Dorn ist Geschäftsführerin des Industrieunternehmens für Verpackungen und Gebäudetechnik Werit in Altenkirchen im Westerwald. Sie erhielt – zusätzlich zu ihrer Nominierung – den Sonderpreis „Erfolgreiche Unternehmerin in Rheinland-Pfalz“. Die Jury beschreibt Werit als Unternehmen, das offen für Neuerungen ist und zeitgemäße Unternehmensführung aktiv gestaltet. Dies treibt Kerstin Dorn in ihrer Rolle als Geschäftsführerin maßgeblich voran. Im Rahmen des Transformationsprozesses One Werit 2030 habe sie in Deutschland eine ganzheitliche Organisationsveränderung nach dem Ressort-Prinzip, gepaart mit Innovation und Nachhaltigkeit, auf den Weg gebracht.

Für Kerstin Dorn ist die Auszeichnung eine große Freude und Ehre, vor allem auch für ihr Team, dem sie diesen Preis zu verdanken habe. Der Weg an die Spitze war für sie geprägt von bewussten Entscheidungen, aber auch vom Vertrauen in das eigene Urteilsvermögen. „Ich versuche, Entscheidungen besonnen, aber entschlossen zu treffen und vertraue dabei auf mein Können, meine Menschenkenntnis und meine Intuition.“ Die Werteorientierung des Unternehmens sei für sie ein zentraler Grund für ihren Einstieg gewesen. „Wenn man mit Kolleginnen und Kollegen Werte teilt und für das gleiche Ziel brennt – was gibt es Schöneres im Berufsleben?“ Herausforderungen habe es dennoch gegeben, beruflich wie privat. „Entscheidend war für mich, niemals den Blick für das große Ganze zu verlieren und an meinen Zielen und Visionen festzuhalten.“

Dass Frauen auf dem Weg in Führungsrollen oft größeren Hürden begegnen, bestätigen alle drei – und widersprechen gleichzeitig dem Bild, Frauen seien weniger durchsetzungsstark. Dr. Antje Eckel betont: „Wer Erfolg haben will, braucht gute Vorbereitung, den Willen, hart zu arbeiten, und die Fähigkeit, aus Fehlern zu lernen.“ Karin Kretzer ergänzt die psychologische Dimension: „Ich war oft die Jüngste oder die einzige Frau in Entscheidungen – das erzeugt Spannungen.“

Die Nominierungen zeigen: Frauen bringen Leadership-Qualitäten mit, die in komplexen Zeiten zunehmend gefragt sind. Alle drei Unternehmerinnen legen Wert auf Innovation und Unternehmertum, das Veränderung aktiv sucht. Kretzer sieht Innovation im Zusammenspiel von Menschen und Technologie – ein Prinzip, das sie im Unternehmen konsequent fördert: „Widerspruch ist ausdrücklich erwünscht.“ Für Dorn hat das Ausprobieren eine wichtige Funktion: „Durchs Ausprobieren sind in der Geschichte der Menschheit die größten Fortschritte entstanden.“ Sie ermutigt ihr Team, neue Ideen einfach zu testen.

Die Botschaften der nominierten Unternehmerinnen an junge Frauen im Mittelstand sind klar und kraftvoll: Mut ist entscheidend – Mut, Dinge auszuprobieren, Verantwortung zu übernehmen und Chancen zu nutzen. Niemals den Glauben an die eigene Stärke verlieren, bodenständig und offen für Neues bleiben. Frauen im Mittelstand sind nicht nur erfolgreich – sie gestalten Zukunft. Und sie tun es mit einem Selbstverständnis, das inspiriert: Kompetenz statt Klischees, Haltung statt Hierarchie, Mut statt Anpassung.

Fotos: Anna Kaduk, Chris Städtler, Miriam Reim, Janos Wlachopulos


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