Chefsache: Evangelos Botinos am Flughafen Hahn

Oktober 27, 2023 5 min lesen.

Chefsache: Evangelos Botinos am Flughafen Hahn

rz-Media-Geschäftsführer Evangelos Botinos (links) traf sich mit Peter Adrian auf dem Flughafen Hahn zu einem Gespräch über die Zukunft des rheinland-pfälzischen Airports. Adrian ist Vorstandsvorsitzender der Triwo AG und neuer Inhaber des Hahn.

„Ich sehe positive Beispiele mit Potenzial für die Zukunft“

Chefsache rz-Media-Geschäftsführer Evangelos Botinos und RZ-Mitarbeiter Arno Boes im Gespräch mit Peter Adrian, neuer Inhaber des Flughafens Hahn, über die Zukunft des rheinland-pfälzischen Airports.

Denk ich an den Hahn in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht!“ – Dieses abgewandelte Heine-Zitat zielt hier nicht etwa auf den 24-Stunden-Betrieb, sondern vielmehr auf die „Geräusche“ der mehrfachen Eigentümerwechsel des Flughafens Hahn im Hunsrück in den letzten Jahren. Die hinterließen meist Enttäuschungen und Frustration für die wirtschaftliche Entwicklung des Airports und der Region. Vor einem halben Jahr hat Peter Adrian (66), Vorstandsvorsitzender der Immobiliengesellschaft TRIWO AG, mit der eigens gegründeten TRIWO Hahn Airport GmbH die Verantwortung für das Areal übernommen. Anfang Oktober stellte er beim etablierten Forum des Regionalrats Wirtschaft im Rhein-Hunsrück-Kreis seine Ziele für die zukünftige Entwicklung des Flughafens vor. Passender Ort der Veranstaltung war die riesige Halle des am Hahn ansässigen Flugzeugwartungsunternehmens „Hangar 901“. Umgeben von einer Boeing 747 und einer 777 sowie einem Airbus 320 hatten rz-Media-Geschäftsführer Evangelos Botinos und RZ-Mitarbeiter Arno Boes Gelegenheit zu einem Gespräch mit Peter Adrian.

Blick aus der Vogelperspektive auf den Flughafen Hahn.
Kurze Wege, aber Verbesserungsbedarf bei der Infrastruktur, finden sich im Terminal am Flughafen Hahn.

Herr Adrian, was hat sie bewogen, sich in einem Alter, wo andere an den Ruhestand denken, das – wie Sie es selbst nennen - „Abenteuer Hahn“ an den Hals zu hängen?

Ich kenne und verfolge die Entwicklungen auf dem Hahn schon viele Jahre. 1999 habe ich dem damals „notleidenden“ Luftfahrtunternehmen Hahn Air unter die Arme gegriffen. Die Firma ist zwar nicht mehr am Hahn aktiv, aber es gibt sie immer noch und sie arbeitet erfolgreich. Ich sehe an diesem Flughafen weitere positive Beispiele mit Potenzial für die Zukunft. Das möchte ich mit meinem Engagement unterstützen, weil es die Wirtschaft in der Region nach den erfolglosen Versuchen der letzten Jahre verdient hat. Da spielt das Alter erst mal keine Rolle.

Welche Beispiele sind das?

Ich möchte zwei nennen: Für Ryanair ist seit der Aufnahme ihres Flugbetriebes der Hahn eine der Hauptdrehscheiben in Europa. Auch wenn aktuelle Krisen und wirtschaftliche Faktoren immer mal wieder Einfluss auf das Angebot am Hahn genommen haben, schätzen die Iren neben der zentralen Lage im westeuropäischen Wirtschaftsraum für ihre Passagiere die Vorteile der kurzen Wege zwischen Flugzeug und individuellem Parkraum. Wer öfter auf den Großflughäfen im Inund Ausland unterwegs ist, kann das nachvollziehen. Für das zweite Beispiel steht das Unternehmen, in dessen Hangar wir uns gerade befinden. 2019 haben meine Altersgenossen Gereon Ahrens und Peter Kamenz die ehemalige Haitec als „Hangar 901 Aircraft Maintenance GmbH“ übernommen. Seitdem verfügt der Hahn über die modernste Halle für Flugzeugwartung, in der namhafte Luftverkehrsunternehmen aus aller Welt ihre Großflugzeuge mit Ausnahme der Triebwerkstechnik warten lassen. Die 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, von denen mehr als 60 Prozent in der Region leben, erwirtschaften einen Jahresumsatz von rund 50 Millionen Euro. In den negativen Schlagzeilen der letzten Jahre sind diese positiven Faktoren weitestgehend untergegangen. Aber genau darauf bauen meine Vorstellungen für die Zukunft.

Peter Adrian und die Vertreter der Wirtschaft. Von links: Thomas Hähn (ReWi-Vorsitzender), Gereon Ahrens (Hangar 901), Peter Adrian, Achim Kistner (ReWi-Geschäftsführer), Alfred Wenz und Silke Dittrich (beide Kreishandwerkerschaft).
Die Vertreter der Wirtschaft waren mit den Ausführungen von Peter Adrian zu seinen Plänen auf dem Hahn sehr zufrieden. Von links: Thomas Hähn (ReWi-Vorsitzender), Gereon Ahrens (Hangar 901), Peter Adrian, Achim Kistner (ReWi-Geschäftsführer), Alfred Wenz und Silke Dittrich (beide Kreishandwerkerschaft).

Die Infrastruktur und das Ambiente rund um das Flugfeld haben mangels Investitionen erheblich gelitten. Das hatte auch Auswirkungen auf die wirtschaftlichen Zahlen. Welche Rolle spielt das in Ihren Vorstellungen?

Als Ziel haben wir uns gesetzt, die jetzige jährliche Anzahl von etwa 2 Millionen Passagieren und 200 000 Tonnen Fracht in den kommenden fünf Jahren zu verdoppeln. Dazu ist es in der Tat notwendig, die von Ihnen angesprochen Schwächen zu beseitigen. Von den zwölf Parkpositionen auf dem Vorfeld sind derzeit aufgrund beschädigter Betonflächen nur zwei benutzbar. Das führt zu Wartezeiten bei der Abfertigung, was den Hahn für die Gewinnung weiterer Luftverkehrsgesellschaften trotz einer relativ günstigen Gebührenstruktur unattraktiv macht. Deshalb werden wir, beginnend ab dem kommenden Winter, in drei Schritten mit Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe die Mängel beseitigen. Dazu gehört zunächst die Wiederherstellung einer funktionierenden Infrastruktur auf dem Vorfeld und den Wegen auf dem Flughafengelände. Das beinhaltet auch die teilweise Beseitigung alter militärischer Einrichtungen, die dem Erscheinungsbild des Hahn als modernem Regionalflughafen schaden. In einem zweiten Schritt soll das Terminal mit Abfertigung und Service grundlegend modernisiert werden. Nach der Ankunft am Flughafen schnell hinein oder hinaus aus dem Flugzeug wird heute von den Fluggästen sehr geschätzt. Die Basis dafür ist am Hahn vorhanden, die Einrichtungen rundherum bedürfen aber der Modernisierung. Der dritte Schritt wird sich dann den Ausbaumaßnahmen auf dem gesamten Gelände widmen. Der Flughafenbetrieb stellt die wirtschaftliche Basis für die Nutzung des verfügbaren Areals dar. Darüber hinaus gibt es im Rhein-Hunsrück-Kreis einige Ideen. Die TRIWO wird sich dabei mit ihren Erfahrungen bei der Planung und Entwicklung von Gewerbeflächen einbringen.

Vogelperspektive auf das Rollfeld des Flughafen Hahn.
Besonders das Vorfeld ist in einem maroden Zustand und soll nun als erstes gründlich saniert werden.

Ein Ausbau des Flugbetriebes heißt womöglich auch ein Mehr an Belastungen durch Emissionen und Lärm. Sehen Sie darin ein Problem für das Umfeld des Hahn?

Die Luftfahrttechnik ist gerade aufgrund dieser Fragen in einem starken Wandel. Es wird intensiv an der Entwicklung neuer klimafreundlicher Treibstoffe gearbeitet, die auch Auswirkungen auf Triebwerke und deren Lärmemissionen haben. Da ist schon in den nächsten Jahren mit Lösungen für die von Ihnen angesprochenen Probleme zu rechnen. Ein weiterer Punkt sind die Luftverkehrswege. Heute hat jeder Flughafen seinen eigenen Tower, der die Routen der Flugzeuge lokal steuert. Wir betreiben in Oberpfaffenhofen bei München einen Flughafen, an dem für eine Zentralisierung und Optimierung dieser Aufgaben geforscht wird. Dabei wird von einem zentralen Tower der Luftverkehr von bis zu 20 Flughäfen koordiniert, was unter anderem zu einer effizienteren Nutzung der Luftwege und damit zu Reduzierung von lärmproduzierenden Wartezeiten führt. Diese innovativen Veränderungen in der Luftfahrt werden auch dem Hahn zugutekommen.

Wo sehen Sie den Hahn und sein Umfeld wirtschaftlich in den nächsten zehn Jahren?

Zunächst ist festzuhalten, dass die Akzeptanz des Flughafens Hahn als Arbeitsplatz und Wirtschaftsfaktor bei der Bevölkerung hoch ist. An anderen Standorten gibt es Bürgerinitiativen gegen solche Projekte, hier gibt es eine für den Erhalt des Flughafens. Das ist mir Ansporn und Verpflichtung zugleich, die regionalen Betriebe einzubinden. Der vorgesehene Ausbau der Kapazitäten bringt einen erhöhten Bedarf an Liefer- und Dienstleistungen mit sich, aus denen sich Chancen für die Region ergeben. So wie die beschriebenen Änderungen in der Luftfahrttechnik wird das Engagement der Menschen rund um den Hahn einen entscheidenden Beitrag zu dessen Entwicklung leisten können. Natürlich sind wir nicht unabhängig von den aktuellen weltweiten Krisen. Aber ich bin überzeugt davon, dass der Hahn in den nächsten zehn Jahren zu einem starken Wirtschaftsfaktor werden wird. Wäre ich das nicht, hätte ich mich wohl nicht auf das eingangs erwähnte Abenteuer eingelassen.

Fotos: Arno Boes

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