Leben & Arbeiten | Leben zwischen Abenteuer und Belastung

Februar 24, 2023 4 min lesen.

Der Weg ins Ausland – Chance und Hürde zugleich
Foto: Thomas Reimer/stock.adobe.com 

Expats Mit der Familie ins Ausland – Wie die Integration gelingt.

Von Sabine Frank

Einmal für längere Zeit nach New York, Singapur, Hongkong oder Sydney. Sprache, Kultur und neue Menschen kennenlernen. Im Ausland zu arbeiten hört sich oft viel einfacher an, als es schließlich ist. Viele Hürden und Herausforderungen müssen genommen werden, doch dann kann es eine ganz besondere Lebenserfahrung werden.

Unternehmen schicken heute mehr Mitarbeiter ins Ausland als je zuvor. 72 Prozent der Unternehmen haben ihre Entsendungen in den vergangenen Jahren ausgebaut. Während es früher in erster Linie um Personalentwicklung und um die Übertragung von Know-how ging, so entsenden Unternehmen heute vor allem Mitarbeiter, um neue Märkte zu erschließen oder auszubauen. Ein solcher Arbeitsplatzwechsel stellt aber nicht nur das Unternehmen und seine Personalverantwortlichen in Heimat- und Gastland vor Herausforderungen, sondern vor allem auch den Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmerin und die dazugehörige Familie. Ein Auslandsaufenthalt erfordert Fingerspitzengefühl bei der Integration.

Wer im Ausland arbeitet, wird zwangsläufig mit einer Vielzahl von Situationen konfrontiert, die potenziell Fettnäpfchencharakter haben. Die Spannweite der herausfordernden Situationen ist dabei groß, und nicht immer ist der Fauxpas gleich erkennbar. Viele Verhaltensweisen und Aspekte des Geschäftslebens werden in unterschiedlichen Kulturen verschieden gehandhabt. So kann gleich der erste Kontakt, die Begrüßung, eine große Herausforderung sein. Verbeugt man sich erst und gibt dann den Handschlag? Oder sind eine Umarmung und der Wangenkuss angemessen? Und auch nachdem die Begrüßung erfolgreich überstanden ist, lauern ungeahnte „Fallen“. So gilt es beispielsweise in den Golfstaaten als Beleidigung, die Schuhsohlen in Richtung des gegenübersitzenden Geschäftspartners zu drehen, oder das Bier in England am Mittag kann bei US-amerikanischen Geschäftspartnern ein schwerwiegender Fehler sein. Diese kleine Auswahl an „Dos and Don’ts“ steht nur exemplarisch für zahlreiche Beispiele.

In anderen Ländern mit verschiedenen Kulturen warten eventuell Fettnäpfchen auf die Expats. Ein Bier zum Lunch ist in England okay, in den USA dagegen verpönt.

In anderen Ländern mit verschiedenen Kulturen warten eventuell Fettnäpfchen auf die Expats. Ein Bier zum Lunch ist in England okay, in den USA dagegen verpönt.

Foto: Marcello/stock.adobe.com

Für Expats ist es wichtig, sich schon vor der Entsendung gezielt zu informieren und auf Land und Leute vorzubereiten. Nur so kann man sich in der neuen Kultur auch sozial gut einleben. Beratungsstellen helfen allen Auswanderern und Auslandstätigen noch in Deutschland bei der realistischen Beurteilung der Verhältnisse und Möglichkeiten im Zielland. Die Bundesstelle für Auswanderer und Auslandstätige empfiehlt für Rheinland-Pfalz die Raphaelswerk-Beratungsstelle in Trier.

Erfahrungen anderer Auswanderer helfen, nicht fremd in der neuen Umgebung zu bleiben. Es gibt viele deutschsprachige Communities im Ausland wie zum Beispiel InterNations, die Neuankömmlingen helfen, schnell und unkompliziert Anschluss in ihrer Region zu finden. Es gibt auch Informationen zu Veranstaltungen am Zielort. Expats treffen sich zum gemeinsamen Sport, zum Kochen und Essen oder auch zu Ausflügen in der Umgebung.

Eine besondere Herausforderung ist das Ankommen, Integrieren und Wohlfühlen der Expat-Partner und -Partnerinnen und vor allem der Kinder. Der Verlust der gewohnten Umgebung und der Abschied von Freunden und Familie bedeuten eine große Veränderung für die Kinder. Denn während der Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmerin durch den Job rasch einen neuen Alltag findet, muss der Alltag der Familienmitglieder noch neu gestaltet werden. Es erfordert ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit, alles Gewohnte hinter sich zu lassen. Erkundungen der neuen Umgebung, Aktivitäten in der Nachbarschaft, Kennenlernen von Nachbarn und Kindern und auch Routinen im Tagesablauf helfen den Kindern beim Ankommen in der neuen Heimat. Der Besuch einer neuen Schule oder eines Kindergartens gehört ebenfalls dazu. Bei der Suche ist es hilfreich, sich mit Bekannten auszutauschen, die bereits im Ausland waren, wo man leben wird, und deren Kinder dort zur Schule gegangen sind. Diese Möglichkeit bietet sich aber leider nicht immer. Schulsysteme im Ausland unterscheiden sich zum Teil erheblich vom deutschen Modell. Von grundlegender Bedeutung bei der Schulwahl ist auch, wie lange die Familie im Ausland bleiben wird. In lokalen Schulen wird ausschließlich in Landessprache unterrichtet. Das kann bei kurzer Aufenthaltsdauer von ein bis zwei Jahren schwierig für die Kinder sein. Besser wäre in diesem Fall, eine deutsche Schule in der Nähe zu suchen. Ratsam bei der Schulwahl ist ein frühzeitiger Kontakt mit der ausgewählten Bildungseinrichtung. Das Auswärtige Amt stellt eine Liste mit Partnerschulen bereit wie auch die Zentralstelle für Auslandsschulwesen in Köln.

Kindern gelingt es oft erstaunlich schnell, sich in das neue Leben in einem neuen Land einzufügen. Dennoch ist es unerlässlich, sie bei der Integration zu unterstützen.

Kindern gelingt es oft erstaunlich schnell, sich in das neue Leben in einem neuen Land einzufügen. Dennoch ist es unerlässlich, sie bei der Integration zu unterstützen.

Foto: famveldman/stock.adobe.com

Oft ist bei einer Entsendung nur ein Elternteil berufstätig, der oder die andere darf oder kann im Zielland nicht arbeiten und ist dann für die Care-Arbeit zu Hause zuständig. Meist sind es Frauen, die nicht der eigenen Karriere wegen, sondern dem Partner zuliebe ins Ausland ziehen. Laut einer Umfrage des internationalen Expat-Netzwerks InterNations sind nur 14 Prozent aller Mitziehenden männlich. Zahlen darüber, wie viele davon Väter sind, gibt es nicht. Auch hier helfen den Begleiterinnen das Vernetzen mit Gleichgesinnten und der Austausch.

Der Anthropologe Kalervo Oberg beschrieb in den 50er-Jahren unterschiedliche Entwicklungsphasen des „Ankommens“. Es beginnt mit der HoneymoonPhase, in der die meisten Menschen von der Kultur fasziniert sind. Darauf folgt die Krise, in der die kulturellen Unterschiede als Belastung empfunden werden. Heimweh kann einsetzen. Dann ist es ratsam, den Druck rauszunehmen und sich Zeit zu lassen. Manchmal helfen auch ein Telefonat oder ein Videocall mit Freunden aus der alten Heimat. In der Erholungsphase schließlich entwickelt man Verständnis für die neuen Handlungsweisen und lernt, mit ihnen umzugehen. Am Ende folgt die Anpassung an die neue Kultur. Die Person versteht die Kultur und übernimmt teilweise sogar Verhaltensmerkmale der Fremdkultur.

Zum Begriff

Expats Expats sind Personen, die ohne Einbürgerung in einem ihnen fremden Land oder einer ihnen fremden Kultur leben. Das Wort bezeichnet häufig auch eine Fach- oder Führungskraft, die von einer international tätigen Organisation oder von einem Wirtschaftsunternehmen, bei dem sie beschäftigt ist, im Rahmen einer Auslandsentsendung vorübergehend an eine ausländische Zweigstelle entsandt wird.

Weitere Information und Kontakt

Beratungsstelle für Expats: 

  • Raphaelswerk in Trier – www.raphaelswerk.de/ wirberaten/ berufstaetigeimausland
Communities für Expats und Auswanderer mit Vernetzung und Veranstaltungen:
  • InterNations – www.internations.org

Schulwahl:

  • Zentralstelle für Auslandsschulwesen in Köln – www.auslandsschulwesen.de
  • Initiative „Schulen: Partner der Zukunft” vom Auswärtigen Amt – www.pasch-net.de

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