Stabwechsel braucht Strategie – und ein starkes Netzwerk

Juli 04, 2025 3 min lesen.

Drei Handwerker aus unterschiedlichen Generationen in einer Schreinerei.

Nachfolge Die Unternehmensübergabe ist eine der größten Herausforderungen für den Mittelstand. Es geht Ihnen längst nicht nur um einzelne Betriebe, sondern um die Zukunftsfähigkeitganzer Wirtschaftsregionen. In einer Diskussionsrunde des WJ-Talks der Wirtschaftsjunioren Rheinhessen kamen Praktiker und Experten zusammen, um zu beleuchten, warum Übergaben scheitern, was erfolgreiche Nachfolgen auszeichnet und welche Rolle Netzwerke dabei spielen.

German Drechsler ist Gründer und Se nior Partner der Think Gruppe sowie Gründer und Geschäftsführer der Exit Mittelrheinland - Allianz für Nachfolgestrategien in Koblenz. Der erfahrene Unternehmensentwickler berät seit mehr als 30 Jahren kleine und mittelständische Unternehmen. Die Begleitung über den gesamten Lebenszyklus hinweg – von der Gründung bis zur Übergabe – ist dabei Kern seiner Arbeit. „Vor allem im Bereich Unternehmensübergabe und -verkauf wächst aktuell die Nachfrage“, beschreibt er die derzeit wichtigsten Themen.

German Drechsler hält einen Vortrag zum Thema „Stabswechsel und Strategien – und ein starkes Netzwerk“

Seine umfangreiche Expertise brachte Drechsler beim WJ-Talk der Wirtschaftsjunioren Rheinhessen in Mainz ein. Die Round-Table-Diskussion mit Expertinnen und Experten aus Beratung, Wissenschaft und Praxis verdeutlicht die Relevanz der Thematik und die Hürden, die sich im Zuge der Unternehmensübergabe ergeben. Drechsler betonte, dass eine Nachfolge nicht „nebenbei“ passieren kann, sondern Vorbereitung, Struktur und viel Kommunikation erforderlich sind. Er plädiert für eine erfolgreiche Planung und eine klare Zielorientierung: „Die meisten Nachfolgen scheitern nicht an fehlendem Interesse, sondern an mangelnder Struktur – und daran, dass man zu spät beginnt.“

Eine Einschätzung, die auch Prof. Dr. Anna Rosinus teilt. Die BWL-Professorin der Hochschule Mainz forscht zur Unternehmensnachfolge, unter anderem mit Fokus auf Familienbetriebe im Weinbau. Sie setzt sich für kreative Methoden ein, um Unternehmerinnen und Unternehmer zu motivieren, früh über Nachfolge nachzudenken. Der Grundgedanke bleibt: Nur wer sich aktiv mit Zukunftsszenarien beschäftigt, kann seinen Betrieb langfristig erhalten und übergeben.

Einblicke aus erster Hand gab Friederike Klos, die sich gemeinsam mit ihrem Bruder aktuell auf die Übernahme des Familienunternehmens vorbereitete. Ihr Praxisbericht zeigt, wie komplex und emotional eine Nachfolge sein kann – und wie wichtig es ist, dass alle im selben Takt arbeiten.

Auch Prof. Dr.-Ing. Dirk Lorenzbetonte, wie gemeinsame zentrale Ziele und Rollenverständnisse sind. In seinem Ingenieurbüro wurde die Nachfolge durch die Gründung einer Holding strukturell vorbereitet – ein Modell, das auch anderen Unternehmen als Blaupause dienen kann.

Die Erfahrungen zeigen, dass es bei Nachfolge nicht nur um Zahlen und Verträge geht, sondern auch um Vertrauen, persönliche Entwicklung und unternehmerisches Gespür. Die Herausforderung liegt darin, alle auf den gleichen Weg mitzunehmen – und erfolgreich anzufangen, bevor aus Planung Druck wird. Denn eines wurde beim WJ-Talk deutlich: Wer die Zukunft seines Unternehmens sichern will, muss sie bewusst gestalten – nicht erst, wenn der Ruhestand vor der Tür steht.

Nachfolge braucht neben Zeit und einer sauberen Planung auch starke Netzwerke. Verbindungen und Kontakte helfen nicht nur bei der Suche nach potenziellen Nachfolgerinnen und Nachfolgern, sondern auch beim Finden von Beratern, Investoren und Drechslern bringt es auf den Punkt: „Netzwerk schadet nur dem, der keins hat.“

Um das hochaktuelle Thema Unternehmensnachfolge geht es auch beim Nachfolgekongress der Exit Mittelrheinland am 13. November 2025 in Montabaur. Der Kongress hat das Ziel, Unternehmen für die Komplexität der Nachfolge zu sensibilisieren und die unterschiedlichen Disziplinen im Rahmen einer Nachfolgeplanung und -umsetzung vorzustellen. Anhand von anonymisierten Best-Practice-Beispielen wird das Zusammenspiel der verschiedenen Fachbereiche erläutert. 

Ungenutztes Potenzial: Die weibliche Unternehmensnachfolge 
Bis 2026 benötigen rund 190 000 Unternehmen in Deutschland eine neue Führung. Klar ist, dass es an geeigneten Nachfolgerinnen und Nachfolgern fehlt. Besonders Frauen sind in der Nachfolge unterrepräsentiert – obwohl ihr Interesse steigt. Laut der deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) sind bereits 43 Prozent aller Gründungsinteressierten weiblich, doch nur ein Viertel der Unternehmensübergaben erfolgt tatsächlich an Frauen.

Ein zentraler Grund sind traditionelle Rollenbilder. Wie eine Studie der bundesweiten Gründerinnenagentur (bga) zeigt, bevorzugen männliche Unternehmensübergeber bei der familieninternen Nachfolge mit 73 Prozent deutlich den Sohn gegenüber der Tochter. Um dieses Ungleichgewicht aufzubrechen, braucht es neue Impulse.

Das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz geförderte Modellprojekt „she successes – mehr weibliche Nachfolge!“ des Verbands deutscher Unternehmerinnen wird genau hier ansetzen. Ziel ist es, Selbstständigkeit als attraktive Karriereoption für Frauen zu fördern, Rollenvorbilder sichtbar zu machen und durch gezielte Vernetzung den Generationswechsel erfolgreicher zu gestalten




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